Vergiftete Sprüche, wer kennt sie nicht? Das sind keineswegs ehrliche oder gut gemeinte Aussagen, sondern bösartige Bemerkungen. So was wie: „Schickes Kleid hast du da an. Gab’s das auch in deiner Größe?“ Oder: „Ich kann nicht sehen, wie du dich abrackerst. Mach die Tür zu!“

Leute, die so drauf sind, nennt man auch Giftzwerge. Sie werten andere ständig ab, sie reden hinterhältiges Zeug oder wünschen ihren Mitmenschen Dinge an den Hals, für die man schon mit einer ziemlich bösartigen Fantasie ausgestattet sein muss.

Wehrt man sich dagegen, sehen sie sich als armes Opfer, werden aggressiv und beschuldigend. Giftzwergerei beschränkt sich dummerweise nicht auf das Persönliche, sie ist Teil der politischen Kommunikation geworden. Besonders die rechtsalternativen oder rechtspopulistischen Gruppen bedienen sich ständig einer vergifteten Sprache.

Politische Gegner werden grob beschimpft

Sie wollen Menschen in Anatolien entsorgen oder schreien, Angela Merkel wäre eine Judenhure. Wir sehen es gerade jeden Tag. Im Wahlkampf, so meinen viele, kochten die Gefühle eben hoch.

Da werden politische Gegner schon mal grob beschimpft. Das müsse aushalten, wer das Land regieren wolle. Nun, es auszuhalten ist etwas Anderes als es auszusitzen. Dass die Spitzenkandidaten sich das gefallen lassen, erstarren, nicht reagieren auf dieses unflätiges Gebrüll, ist falsch. Entweder kennen sie das Terrain nicht, auf dem sie sich bewegen – was schlimm genug ist.

Oder, noch schlimmer, wissen sie nicht, was sie sagen sollen. Doch sollte es Pflicht sein für unsere Spitzenpolitiker, die zu erwartende Aggression zu kennen. In dem Fall würde es Ihnen auch nicht die Sprache verschlagen, Frau Merkel, Herr Schulz. Die Angst vor Hass besänftigt Gemüter nicht. Es ist allemal besser Haltung zu zeigen, als so zu tun, als wäre „Volksverräter“ keine vergiftete Schmähung. Auf das Gebrüll nicht zu reagieren, lässt diejenigen im Regen stehen, die als Demokraten selbst Ziel von Hass sind. Und die es auch bleiben, wenn die Wahlkampfbusse wieder fort sind.

Abwertend, destruktiv, feindselig

Dass die AfD und andere rechte Gruppen seit 2015 so an Lautstärke zugenommen haben, hat eine Vorgeschichte. Wichtiger als ihre Vertreter in Talkshows zu fragen, ob sie rassistisch oder rechtsradikal seien, ist es zu schauen, was genau sie da eigentlich erzählen. Wer sich über einige Zeit in den sozialen Netzwerken die Seiten rechter bis rechtsextremer Gruppen anschaut, erfährt mehr über ihre Themen. Ihre Sprache zeugt von Größenwahn und Untergangssehnsucht.

Rechte Gruppen überbieten sich immer gleichen Erzählungen. Die Top 10 werden angeführt vom „Volksverräter“, gefolgt von Migration als Zerstörung, den Fremden als Barbaren, dem Untergang, der schon da sein soll, dem Hass auf politische Gegner und dass Gutmenschen Deutsche hassen, der Lügenpresse und dem notwendigen Widerstand gegen Fremdherrschaft, globale Verschwörung und bösem Establishment.

Die Aussagen, aus denen sich diese Narration zusammensetzt, sind abwertend, destruktiv, feindselig und voll von Vernichtungsfantasien. Toxisch eben. Dass die rechtsalternative Bewegung, also doch eine Menge Menschen in diesem Land, solche Giftpilze sind, das ist beunruhigend! Ihre Mitmenschen können einem leidtun. Denn wer so über Politik redet, wie verhält er sich dann erst am Küchentisch?