Die allererste Fahrradstraße in meinem Bezirk begegnete mir in Form einer fest in den Boden zementierten rot weißen Absperrung, die die Auffahrt zum Radweg entlang dieser Straße versperrte.

Ich glaubte an einen Schildbürgerstreich und fuhr darum herum. Dann wurden weiße Räder auf der Straße aufgemalt und blaue Schilder aufgestellt. Fahrradstraße, die ein Teilstück der Weserstraße in Neukölln als Fahrradstraße ausweisen.

Ein weiteres Schild kam bald dazu. Es erklärt, was es mit so einer Straße auf sich hat: Fahrradfahrer haben hier Vorrang. Schneller als 30 Kilometer pro Stunde darf man nicht fahren. Und man darf nebeneinander radeln. Eigentlich toll.

Ein fahrradfreundliches Neukölln

Nur wissen das die Autofahrer leider nicht. Der erste Selbstversuch erzeugte jedenfalls wütendes Gehupe und ein in Sachen Sicherheitsabstand höchst riskantes Überholmanöver, auf der auf beiden Seiten zugeparkten Straße. Auf dem bisher zur Fahrradstraße erklärten Stück ist die Weserstraße eine Einbahnstraße.

Doch die weißen Fahrradsymbole auf einem weiteren Abschnitt, vom Reuterplatz bis zur Pannierstraße nämlich, deuten darauf hin, dass die Fahrradstraße noch verlängert wird. Dann drängeln sich auf der engen Straße Autofahrer und Radler in beide Richtungen. Puh.

Eine kurze Recherche erbrachte, dass die Neuköllner Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey selbst die Fahrradstraße eingeweiht hat. Sie kam damit dem Drängen der grünen Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung nach, die sich seit Jahren für ein fahrradfreundliches Neukölln einsetzt.

Das ist lebensgefährlich!

Ich bin auch sehr für so ein Neukölln, aber warum erklärt man nicht eine Straße zur Fahrradstraße, auf der es keinen Radweg gibt, statt Fahrradfahrer in einer Straße, auf der sie sich bisher auf voller Länge auf einem Radweg bewegen konnten, auf die Straße zu zwingen?
Aber okay, ich will mich nicht nur beklagen.

Es ist ja auch die erste Fahrradstraße im Bezirk, und vielleicht lassen sich auch die berüchtigten Neuköllner Autofahrer unter Einsatz von Radlerleben so erziehen, dass sie klaglos im Schneckentempo hinter ihnen her schleichen.

Bis dahin aber habe ich zumindest meinen Kindern befohlen, sich weiter auf den abgesperrten Radwegen zu bewegen. Vor allem auf dem letzten Stück der Fahrradstraße. Kurz bevor sie nämlich auf den bei Radfahrern berüchtigten Kottbusser Damm mündet, dem Boulevard der in zweiter Reihe Parker und Raser, macht sie eine scharfe Kurve.

Hier wird es unübersichtlich, zumal die Weserstraße dort eine Einbahnstraße ist. Nur Radfahrer sind ausgenommen. Das ist lebensgefährlich!