Trump hat dem Volkssport Gruseln einen rasanten Drive verpasst. Es ist schwer, daran vorbeizukommen, was der neue US-Präsident gerade alles anstellt. Ungläubig, erschrocken taumeln wir von einer Nachricht über Trumps desaströse Taten zur nächsten. Gerade macht sich eine Atmosphäre breit, in der alles wieder denkbar erscheint: vom Dritten Weltkrieg bis zur Abschaffung des Frauenwahlrechts. Bei aller Furcht, in der Hysterie um Trump steckt auch viel Verlogenes.

Europa baut seine Mauern gegen Flüchtlinge schon lange. Gerade wieder wird mit zweifelhaften Regimen darüber verhandelt, wie sie Menschen an der Flucht hindern können. Die deutsche Politik hat längst „korrigiert“ was ihr 2015 passierte, als für einen Moment der humanitäre Gedanke über den politischen siegte und Flüchtlinge nach Deutschland gelassen wurden. So narzisstisch und politisch fatal dieser Donald Trump sein mag, wir sollten nicht in Panik verfallen. Mir fällt das ehrlich gesagt auch schwer bei den Nachrichten, Meinungen und Kommentaren, die Trumps Unberechenbarkeit zu Horrorszenarien anschwellen lassen. Auch für Deutschland.

Reale Gefahr

Die Gefahr ist real. Deshalb funktioniert der Gruseleffekt ja so gut. Und nein, wir werden dem nicht entrinnen können, noch auf Gewöhnung zählen dürfen. Einige kluge Leute erklären bereits, wie wir die nächsten Jahre durchhalten können, ohne Kraft oder Verstand zu verlieren. Die wichtigsten Ratschläge sind vielleicht folgende: auf keinen Fall den Humor verlieren. Auch nicht den Sinn für Selbstironie. Und: Nicht alles Schlimme auf einen riesigen Haufen schmeißen und dann vor seiner Höhe kapitulieren.

Gewiss wird sich auch im Bundestagswahlkampf vieles von Trumps kämpferischer Unkultur in Bösartigkeiten, Unwahrheiten und Hassbotschaften wiederfinden. Die eigenen rechtspopulistischen Propagandamaschinen arbeiten bereits, unterstützt von bekannten internationalen Akteuren wie Breitbart und Russia Today. Sie wollen Hysterie – und zwar nicht nur mit Blick auf die weltpolitische Lage, sondern auf alles, was uns im Alltag umgibt.

Aktiv werden, statt zu maulen

Unsere eigene Schwarzmalerei, der Kulturpessimismus und die Lust an Eskalation kommt den Intensionen der Neuen Rechten in Deutschland entgegen. Doch sollten wir, die an Offenheit und Demokratie festhalten wollen, bei aller Kritik am Geschehen in der Welt und in Deutschland nicht wegwischen, wie viel Vernunft und Kreativität vorhanden ist, um Probleme zu lösen.

Es gibt vieles, was für unsere Lebensqualität getan werden kann, ohne dafür die viel beschimpften Eliten verantwortlich zu machen. Also: Nicht andauernd aufregen! Wir können uns als Bürger um mehr Partizipation im direkten Umfeld kümmern. Wir können unsere Nachbarschaft dazu bringen, sich mehr zu kümmern und niemanden dabei auszuschließen. Nicht als Ersatz zur großen Politik. Sondern als Ausgleich, als das Lernen für eine dezentralere und gleichzeitig globalisierte Zukunft. Mit dem entsetzten Blick auf die unseligen Entwicklungen der europäischen Rechten, erstarren wir lediglich. Trump mag als Schock nützlich sein, damit mehr Menschen aktiv werden, statt immer nur zu maulen und sich zu gruseln.