Ist eine Posaune wirklich die angemessene musikalische Begleitung für ein Richtfest? Sie erinnert doch sehr an den Sturm auf die einstürzenden Mauern von Jericho. Aber gestern war beim Richtfest für die James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel nicht der Tag zum Kritteln. Was soll man auch sagen angesichts des um Jahre verzögerten Bauverlaufs und Baukosten, die von  73 auf mindestens 134 Millionen Euro für nur 4600 Quadratmeter stiegen?
Bundesbauministerin Barbara Hendricks versprach zwar Besserung im staatlichen Bauen. Aber wie will sie verhindern, dass auch künftig wegen übergeordneter Konzepte mitten in Schlammgruben hinein gebaut wird? Kulturstaatsministerin Monika Grütters lobte das Engagement des Bundes und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz für die James-Simon-Galerie – ein Dank an die  Steuerzahler wäre nett gewesen. Hermann Parzinger verteidigte den Bau mit Notwendigkeiten und damit, dass er die Museumsinsel ins 21. Jahrhundert bringe. Hätte er zudem die vom Bund nicht so begünstigten Kulturinstitutionen Deutschlands um Verständnis gebeten, wäre deren Ärger über die Berliner Verschwender vielleicht geringer.

dem auch sei. Schön ist immerhin die Aussicht, die man von  der Café-Terrasse der Simon-Galerie genießen kann – auf die  Westfassade des Neuen Museums, auf das Magnus-Haus am Kupfergraben und dessen  Garten bis hin zum Lustgarten, der Schlosskuppel, der Bauakademiekulisse. Diese Galerieterrasse wird mit Sicherheit nach der Eröffnung – für 2018 versprochen – ein regelrechtes Lusthaus und das geplante Café für den kommenden Andrang zu klein sein.

Tatsächlich lässt sich die Architektur der von von Alexander Schwarz mit David Chipperfield entworfenen Galerie noch nicht abschließend beurteilen. Jetzt schon erkennen kann man, dass sie eine Feier des öffentlichen Raums und ein  anspruchsvolles architekturtheoretisches Manifest sein wird. Es sind eben keine Säulen mit ihrer gerundeten Erinnerung an den menschlichen Körper zu sehen, sondern kantige, überschlanke, industrialisierte Pfeiler. Es ist die Wiederaufnahme jener Kolonnadenhalle Karl Friedrich Schinkels am Alten Museum, die den Lustgarten zum preußischen Forum umformte. Klassizistisch aber ist hier nur noch das ästhetische Grundmotiv. Eigentlich geht es bei dieser strikten Rahmen- und Postenarchitektur darum, in den Augen der Besucher städtische Bilder zusammenzufügen, Erinnerungen anzustoßen, Assoziationen zu wecken. 

David Chipperfield sprach am Mittwoch davon, dass hier kein Haus, sondern ein Ort entstanden sei, der die Museen, ihre  Gebäude, Sammlungen und Geschichten mit der Öffentlichkeit verbinde.    Lassen wir jetzt mal alle Kostenfragen und die Debatte der Museumskonzepte beiseite:  Mehr kann Architektur kaum erreichen, als uns eine bessere Stadt  wenigstens als Bild vorzuführen.