Kommentar: Ein Umbau des Olympiastadions erinnert an den Murks beim BER

Berlin - Kompromisse in der Politik sind gelebte Demokratie. Kompromisse bei Bauvorhaben enden in den meisten Fällen im endlosen Murks. Hertha BSC und der Senat gaben am Freitag eine gemeinsame Erklärung mit einer überraschenden Wende ab.

Das Vorspiel: Hertha will eigentlich bis 2025 ein neues Stadion – entweder in Berlin oder auf der Wiese in Brandenburg – bauen. Der Senat will den Verein als Hauptmieter im Olympiastadion behalten. Der Klub machte Druck mit zwei Machbarkeitsstudien. Es folgten Gespräche mit dem Regierenden Bürgermeister  und dem Sportsenator. Und jetzt diese gemeinsame Erklärung mit der Kernaussage: Ein Umbau des Olympiastadions ist möglich. Tusch und Applaus? Nein!

Und was kam dabei heraus? Faule Kompromisse!

Nur zur Erinnerung: Dieses Sportmuseum aus dem Jahre 1936 wurde erst vor 13 Jahren umgebaut. Für 242 Millionen Euro, damals hätten man schon für diese Summe ein moderne, neue Arena richten können. Die anfänglichen Umbaupläne sahen auch damals einigermaßen vernünftig aus. Absenkung des Rasens, keine Tartanbahn, dafür Tribünen bis knapp an den Spielfeldrand. Auch ein sich selbsttragendes Dach war im Repertoire. Und was kam dabei heraus? Faule Kompromisse!

Plötzlich musste die Tartanbahn unbedingt für das einmal im Jahr stattfindende Istaf erhalten bleiben. Und dann erfolgte die Blutgrätsche durch den Denkmalschutz: Ein freitragender Dachring ist unmöglich. Da ist die Sichtachse am Marathontor gestört. Seitdem ist die Sicht für viele Stadionbesucher wegen der Dachstützen gestört.

Das Ergebnis scheint ein fauler Kompromiss zu sein

Was soll am Ende des zweiten Umbaus innerhalb von 17 Jahren herauskommen? Hertha will Zuschauerränge, die nah und steil am Spielfeld sind. Die einfachste Lösung laut Geometrie sind vier Tribünen, an jeder Seite des Rasens eine. Und das alles im ovalen weitläufigen Olympiastadion.  Eine neue Arena in einer alten Hülle? Das Eckige muss ins Runde? Bitte nicht!

Und was sagt dann wieder der Denkmalschutz? Oder doch nur Absenkung des Spielfeldes mit Wegfall der  Tartanbahn?  Nein, noch ein Umbau erinnert irgendwie an den BER. An vorhandenem Baumurks wird weiter herumgepfuscht. Wollte Hertha mit einem Neubau nicht  eigener Hausherr werden und keine Miete mehr zahlen? Das Ergebnis scheint ein fauler Kompromiss zu sein.