Familienurlaub mit kleinen Kindern ist ein bisschen wie Weltraumtraining. Neulich habe ich ein Interview mit einem alten Mann gelesen, der beinahe als erster Deutscher im All gewesen wäre. Friedrich Jaschke hieß er. Aus der Gruppe, die damals das Kosmonauten-Training absolvierte, wurde dann aber ein anderer Mann, Sigmund Jähn, ausgesucht. Er flog 1978 in den Weltraum und wurde berühmt.

In der Zelle

In dem Interview erzählte Herr Jaschke, der beinahe der erste Deutsche gewesen wäre, von dem psychologischen Training, das sie absolvieren mussten. Zwei Kosmonauten wurden in eine vier Quadratmeter große Zelle gesperrt, ohne Gegenstände, mit Rede- und Schlafverbot, 72 Stunden lang. Dann wurde geguckt, wer als Erster durchdreht. Schweinestall hieß die Methode.

Unsere Ferienwohnung ist zwar etwas größer als vier Quadratmeter, und wir waren zu viert, zwei Erwachsene, ein Kleinkind, ein Baby. Die Tourismus-Vermarkter nennen Usedom die Sonneninsel, bei uns regnete es tagelang. Einmal kam mittags die Sonne heraus, wir rüttelten die Kinder wach, trugen Strandmuschel und Handtücher heraus. Das große Kind wollte ins Wasser, aber die Badehose durfte dabei nicht nass werden, dem Baby war es zu heiß. Glücklicherweise bezog sich bald der Himmel, es fing an zu gießen und wir packten alles zusammen.

Lob der Langeweile

Man muss vielleicht den Gedanken überwinden, dass Urlaub mit kleinen Kindern etwas mit Erholung zu tun hat. Wie die Kosmonauten in ihrer Zelle lernt man Langeweile auszuhalten, die von plötzlichen Momenten des Schreckens unterbrochen werden. Vom Strand hatte das Kind eine großen Stein mitgebracht, mit dem es die Tischplatte in der Unterkunft bearbeitete. Die Tischplatte war aus Glas und zersprang, das Kind weinte vor Schreck.

Mein Mann nahm das Baby hoch, bevor es eine Scherbe in den Mund stecken konnte, und zum Dank erbrach es seine Milch auf das T-Shirt meines Mannes. Ich dachte kurz an Friedrich Jaschke und beneidete ihn um seinen ruhige, stille Zelle. Erfahrene Eltern würden diesen Kosmonauten-Test sofort bestehen.

Alle in einem Bett

Nachts schliefen wir alle in einem Zimmer, um eins kam das Baby, um vier kam das größere Kind. Wir lagen zu viert in einem Bett, wälzten uns hin und her. Bis auf das große Kind schlief keiner mehr. Um sechs schoben wir den Wagen mit dem Baby und dem Kind durch die leeren Straßen des Ortes, auf der Suche nach einer Bäckerei.

Doch es war nicht alles schlecht. Das Schöne am Leben mit Kindern ist, dass sich die Perspektive ändert. Früher sind wir herumgerannt, auf der Suche nach dem perfekten Restaurant, der perfekten Bar, wir haben gesucht und gesucht und wenn wir endlich in einem Lokal saßen, waren wir doch unzufrieden, weil es ja womöglich um die Ecke etwas Besseres gab.

Dann kam die Sonne heraus

Jetzt ging es eher um was Anderes. Waren die Kinder zufrieden? Gesund? Hungrig? Wir gingen zur erstbesten Fischbude, setzen uns unters Dach, das große Kind aß sein Brötchen, wir tranken Filterkaffee, schwarz, das Baby schlief, alles war perfekt, es störte nicht mal der Regen. Nach einer Woche kam die Sonne raus, das Kind fand Spielkameraden am Strand, das Baby lachte, ich zog einen Badeanzug an. Nach einer Weile kam das große Kind aufgeregt angerannt, es hatte die Windel vollgemacht. Und wir hatten die Feuchttücher vergessen.