Für die ZDF-Reporterin Birte Meier mag das ein Gräuel sein, doch überraschend ist es nun wirklich nicht: Ihr Fall hat mittlerweile bundesweite Aufmerksamkeit erregt. Kein Wunder: Nur ganz selten wagt es eine Frau, gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz vor Gericht zu ziehen. Warum das so ist, zeigt wiederum das Beispiel von Frau Meier: Die betroffene Frau läuft Gefahr, nichts zu gewinnen, aber alles zu verlieren. Das durfte die preisgekrönte Journalistin schon im Dezember am eigenen Leib erfahren.

ZDF will Klägerin auch noch kündigen

Gegen Ende der mündlichen Verhandlung, in der es vor dem Berliner Arbeitsgericht darum ging, warum eigentlich alle ihre männlichen Kollegen mehr verdienen, ließen die ZDF-Anwälte die Bombe platzen. Man sehe das Vertrauensverhältnis nachhaltig zerrüttet, erklärte einer der beiden in angemessen beleidigtem Tonfall, und wolle das Arbeitsverhältnis gerne beenden.

Drohungen, Einschüchterungen, Verlust der Existenz. Wer sich diese Konsequenzen vor Augen führt, wird sich gut überlegen, ob die vage Aussicht auf Gerechtigkeit das Risiko einer Klage wert ist. Ein neues Gesetz „zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen“ soll da Abhilfe schaffen. Der Entwurf aus dem Ministerium von Frauen- Ministerin Manuela Schwesig (SPD) soll es Betroffenen künftig ermöglichen, ihr Recht leichter zu erstreiten.

Gesetzesentwurf macht wenig Hoffnung

Doch was jetzt im Entwurf vorliegt und schon im Februar im Bundestag in die erste Lesung gehen soll, entmutigt eher. Frauen, die in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitern arbeiten, sollen künftig ein individuelles Auskunftsrecht darüber haben, was die Kollegen verdienen. Wer in kleineren Betrieben arbeitet, hat also schon mal Pech.

Fraglich ist aber auch, ob die Auskunft, die über den Betriebs- oder Personalrat vermittelt wird, wirklich weiterhilft. Denn selbstverständlich werden Gehälter in Deutschland nicht so ohne Weiteres offengelegt. Zahlen werden nur anonym und im Durchschnittswert weitergegeben. Vor Gericht wird allerdings verlangt, dass die Klägerin einen konkreten Einzelfall belegen kann. Wie soll das mit diesem Gesetz gelingen?

Vor Gericht bleibt ohnehin alles beim Alten: Die Klägerin steht allein, denn auch ein Verbandsklagerecht ist nicht vorgesehen. Da hält sich die Vorfreude auf das neue Gesetz doch sehr in Grenzen.