Die rechten Populisten lassen die Champagnerkorken knallen. In Frankreich freut sich Marine Le Pen vom Front National bereits auf einen Wahlsieg im Mai 2017; am nächsten Sonntag will der FPÖ-Mann Norbert Hofer als Präsident in die Wiener Hofburg einziehen. Und die AfD feiert eine glänzende Ausgangsbasis für die anstehenden Landtagswahlen und die Bundestagswahl. All dies hat vor allem einen Grund: Donald Trump. Der Populist hat nicht nur bei Präsidentschaftswahlen in den USA gesiegt, er verfolgt zudem ein Programm, das eher den Vorstellungen der europäischen Rechten entspricht als denen seiner eigenen Partei. Es mag manche hier überraschen, aber die US-Republikaner sind eine zwar erzkonservative, aber bis zum Aufstieg der Tea-Party-Bewegung keine populistische Partei gewesen.

Instrumentalisierung von Wut

Trump hat zwar einige der klassischen republikanischen Themen aufgegriffen – von Schutz des ungeborenen Lebens bis zur Begrenzung der Macht der Zentralregierung –, doch im Wesentlichen hat er Angst geschürt, mal angereichert mit rassistischen, mal mit frauenfeindlichen Sprüchen, mal mit chauvinistischer Propaganda eines „America first“. Damit potenziert er die Parolen der Tea Party und knüpft, ohne es zu wissen, an den Ethnonationalismus europäischer Rechtspopulisten wie Pim Fortuyn, HC Strache oder Geert Wilders an. Hinter seinen Tiraden gegen Muslime oder Mexikaner steht nicht die Sorge um Sicherheit, sei es sozial oder im Kampf gegen den Terrorismus, sondern das Wissen um die Wut vieler Bürger, die sich für seine Zwecke instrumentalisieren lässt. Trump bietet wie alle Rechtspopulisten eine nationalistische Identitätspolitik an – was gleichzeitig den Ausschluss alles Fremden bedeutet. Das scheint in Zeiten der unaufhaltsamen Globalisierung weit wichtiger als konkrete politische Ideen.

Populismus bietet einen Ort für die autochthone Bevölkerung, also jenen, denen die Rechten ihre Zugehörigkeit zu einem Land zugestehen – und ein vages Versprechen auf eine bessere Zukunft, indem die angeblich abgehobene liberale Elite entmachtet wird. Dahinter steht weder ein plausibles Programm noch eine Vorstellung davon, wie sich dieser Prozess demokratisch im Zusammenspiel anderen politischen Akteuren und Institutionen, umsetzen ließe. Zweifel am demokratischen System prägen diesen real existierenden Populismus. Vor seiner Wahl wollte Trump das Ergebnis im Falle einer Niederlage womöglich nicht anerkennen. Und trotz seines Sieges zweifelt er weiterhin am Wahlergebnis. Solche Aussagen offenbaren eher eine Nähe zur autokratisch werdenden Herrschaft eines Recep Tayyip Erdogan als zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

All das, was Populismus auszeichnet, steht demokratischer linker Politik diametral entgegen. Denn sie ist inklusiv, nicht ethnonationalistisch. Sie ist eine Politik für die Schwachen, die Minderheiten und die Benachteiligten. Das Programm einer linken Partei wird unglaubwürdig, wenn es sich auf Ressentiments stützt. Stattdessen wird es immer die Freiheit des Einzelnen und rechtliche Gleichheit, soziale Gerechtigkeit und Solidarität fordern. Ganz in der Tradition der Französischen Revolution. So gesehen kann auch es keinen linken Populismus geben, zumindest nicht in einer freiheitlichen Demokratie.

Manch einer wird hier gewiss darauf verweisen, dass etwa Venezuela ein Beispiel für linken Populismus war. Nur: Hugo Chavez hat zwar Politik für sozial Benachteiligte gemacht, doch er verband dies stets wie rechte Populisten mit einer Identitätspolitik und einer Beschneidung des Rechtsstaates. Und selbst bei Podemos in Spanien schwingt die Idee ethnischer Homogenität mit.

Umverteilung als einziges Mittel gegen Rechtspopulismus

Für die Linke bedeutet das vor allem eins: Sie sollte nicht mit rechten Sprüchen versuchen, den Populisten Konkurrenz zu machen, sondern mit guter linker Politik. Schließlich kann sie ihre zentrale Klientel nur dann von sich überzeugen, wenn sie nicht bloß deren „Sorgen ernst nimmt“, sondern das grundlegende Ärgernis beseitigt: dass in einer komplexer werdenden Welt, in einer sich unweigerlich globalisierenden Ökonomie nur Eliten profitieren.

Es mag altbacken klingen, doch gegen den real existierenden Populismus hilft nur Umverteilung – von oben nach unten. Nur wenn linke Politik die soziale Spaltung reduziert und mehr Chancen für die Unterschicht und die untere Mittelschicht schafft, kann sie dem ethnonationalistischen Populismus Einhalt gebieten. Nur so kann, wie der Soziologe Didier Eribon zu Recht fordert, endlich wieder deutlich werden, dass der Gegensatz nicht sein darf „wir gegen die Fremden“, sondern „wir gegen die Bourgeoisie“. Gelingt das nicht, nimmt der Jubel der Populisten lange kein Ende.