Eine Gruppe junger dynamischer Polit-Aktivisten hat dem Karneval der Kulturen am Pfingstsonntag die Show gestohlen und eine stadtweite Debatte darüber ausgelöst, welche Rechte Hausbesetzer haben. Kann denn jetzt jede Person daher kommen, ein Haus besetzen, und zum Dank kriegt sie dann auch einen Mietvertrag? Womöglich – denn beinahe hätte es geklappt.

„Karneval der Besetzungen“ haben die Gentrifizierungsgegner ihren Überraschungs-Coup genannt, neun Häuser besetzt und die Berliner Politik in Zugzwang gebracht. Wie kann es sein, dass ein kommunaler Landesbetrieb ein Wohnhaus jahrelang leer stehen lässt? Die Besetzer zeigen mit ihrer Pfingstaktion, welche Lücken der staatlich strukturierte Wohnungsbetrieb in dieser Stadt noch hat.

Auf "berlin-besetzt.de" werden alle aktuellen und früheren Hausbesetzungen auf einer interaktiven Karte dargestellt.

Denn diese Hausbesetzer sind keine Chaoten mit fantastischen Forderungen, sondern eine studentisch-gebildete Realo-Fraktion, die mit den Gepflogenheiten der Berliner Politik bestens vertraut und digital vernetzt ist. Sie haben linke Abgeordnete und Rechtsanwälte als Unterstützer, sie verhandeln öffentlich auf der Straße, die Gespräche führen Frauen, von „Mackerstrukturen“, wie es früher hieß, ist nichts mehr zu spüren.

Doch die politischen Reflexe bleiben unverändert. Die CDU meint ungerührt, Hausbesetzer seien Kriminelle. Die Unterstützer der Aktion entgegnen, es sei ziviler Ungehorsam. „Empört Euch!“ ruft der französische Philosoph Stéphane Hessel. Der Berliner Wohnungsmarkt eignet sich dafür hervorragend. Dort haben Hausbesetzer in den 80er-Jahren dafür gesorgt, dass Altbauten nicht abgerissen wurden. Von Straftaten spricht heute niemand mehr.