Arkenberge: Der Kampf um eines der letzten Hundeauslaufgebiete in Ost-Berlin

Pankows Bezirksbürgermeister Sören Benn will Hund und Mensch aus Arkenberge vertreiben. Hundehalter kämpfen für den Erhalt. Ein Kommentar.

Hundetreffen im Hundeauslaufgebiet Arkenberge in Pankow
Hundetreffen im Hundeauslaufgebiet Arkenberge in PankowTina Hanschke, privat

Berlin ist eine Hundestadt und dies in mehrerlei Hinsicht. Viele Arbeitgeber haben die Zeichen der Zeit erkannt und erlauben Bürohunde. Es gibt Geschäfte, die sich auf Hundehalter spezialisiert haben, vom Feinkosthandel bis zum Reisebüro. Denn in Berlin leben laut Finanzbehörde 123.915 registrierte Hunde, während der Pandemie sind es mindestens 6000 mehr geworden. Sogar das Berliner Mietengesetz sieht vor, dass bei einer Wohnungsvermietung Hunde nicht kategorisch verboten werden dürfen.

Auch finanziell ist der Hund eine städtische Goldgrube: Berlin hat die höchste Hundesteuer unter den Ostbundesländern. Berlin nimmt jährlich 13,6 Millionen Euro Hundesteuern ein. Mit dem neuen umstrittenem Hunderegister der Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr geht man dem Hundebesitzer zusätzlich an das Portemonnaie. Dadurch fließen in diesem Jahr  weitere 837.600  Euro (46.674 registrierte Hunde/Stand: 30.9.2022) in die Stadtkasse. Da müsste man meinen, dass die Vierbeiner nicht nur der beste Freund des Menschen sind, sondern auch der beste Freund des Politikers.

Als Hundebesitzer erlebe ich seit zwölf Jahren, wie vom Senat und den Bezirken das artgerechte und wohlgerechte Halten eines Hundes immer mehr eingeschränkt wird. Vom Leinenzwang in Parkanlagen für Oma Ernas alten Dackel bis zur eingezäunten Hundewiese ohne Wiese, die ein tiergerechtes Wohlgefühl für Hund und Halter vermissen lässt. Letzteres ist in den letzten Jahren immer mehr verschwunden.

Daher sind die wenigen Hundeauslaufgebiete am Stadtrand eine Wohltat für Hund und Mensch. Weg von Gefahren wie Autos, Bussen, Bahnen und Radfahrern, hin zur Natur, wo Hunde sich austoben können, sei es allein oder zusammen mit Artgenossen. Hundeauslaufgebiete sind eine Win-win-Situation für ein hundefriedliches Zusammenleben in der Stadt, weil sie auch diejenigen vor Hunden schützen, die sie nicht mögen.

Demonstration vor der  Bezirksverordnetenversammlung Pankow. Am 30.11.2022 soll es eine weitere Kundgebung geben. Hundefreunde treffen sich ab 16.00 Uhr in der Fröbelstraße 17, Haus 7 der BVV.
Demonstration vor der Bezirksverordnetenversammlung Pankow. Am 30.11.2022 soll es eine weitere Kundgebung geben. Hundefreunde treffen sich ab 16.00 Uhr in der Fröbelstraße 17, Haus 7 der BVV.Dagmar Moriano, privat

Diese Oasen sind immer wieder bedroht: Aktuell ist das Hundeauslaufgebiet Arkenberge in Pankow dem Bezirksbürgermeister Sören Benn ein Dorn im Auge. Herr Benn begründet seine Entscheidung unter anderem damit, dass die Hunde überall im Wald ihre Häufchen hinterlassen und dadurch das Naturschutzgebiet gefährdet wäre. Wenn was Natürliches auf Natur trifft, dann muss man natürlich handeln. Daher will der Linke-Politiker, dass Hund und Mensch auf eine Ackerfläche wechseln. Ein Stück Acker ohne Bäume und Büsche, aber zwischen Autobahn 114 und Zugverkehr.

Ich schlage Herrn Benn vor: Bevor Sie den Baustart geben, um mit viel Steuergeld ein Nicht-Naherholungsgebiet für Hunde zu schaffen, sollten Sie selbst einen Tag dort verweilen. Vielleicht merken Sie die Zumutung von allein. Auch Ihr Hundehäufchen-Argument wäre nur verlagert, aber nicht gelöst.

Pankows Bezirksbürgermeister Benn hat den Hundefreunden versprochen, dass dieser Wechsel vom Waldgebiet zum Ackerland erst dann stattfinden wird, wenn der Acker umgebaut werde. Da kann man hoffen, dass hier die berühmte Berliner Planungs- und Baugeschwindigkeit einsetzt und mehrere Hundeleben vergehen, bis die Pläne umgesetzt werden. Man könnte aber auch das eingeplante Geld für den Ackerumbau nehmen, um im Hundeauslaufgebiet Arkenberge Kottütenspender und Mülleimer aufzustellen.

Aber: Wir wären nicht in Berlin, wenn man einfache Probleme nicht kompliziert lösen würde.