Berlin - Schwarze  Haare, braune Augen,  Dreitagebart, Augenringe – Hilfe, ich sehe aus wie ein Nafri. Ein Nafri mit schiefen Zähnen. Zur Zeit macht es mir daher keinen Spaß öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Ich schaue mich nach Männern um, die „so“ aussehen. Und  ich selbst werde „so“ angestarrt.

Am Tag nach dem Anschlag am Breitscheidplatz saßen mir zwei Deutsche mit etwas rötlichem Gesicht in der U-Bahn gegenüber. Sie flüsterten sich irgendwas ins Ohr und starrten mich dabei an. Sie redeten über mich. Mir war das unangenehm. Sollte ich sie fragen, ob alles in Ordnung  ist? Sie setzten sich zwei Reihen weiter weg und schauten ab und an zu mir rüber. Hatten sie Angst?

Hätte ich mich ohne Kontrolle auf die Domplatte gelassen?

Angenommen, ich wäre Polizist – hätte ich mich ohne Kontrolle auf die Domplatte in Köln gelassen? Nein. Hat das Aussortieren was gebracht? Ja. Auf der Feier in Köln gab es keine Übergriffe. Allerdings hat das ganze auch eine Kehrseite. Sehr viele Menschen, die weder Antänzer noch gefährliche Islamisten sind, werden aufgrund von Äußerlichkeiten in Sippenhaft genommen. Beispielsweise Nordafrikaner, die keine Intensivtäter sind. Oder aber Türken, Syrer, Afghanen, Jugos, Bulgaren. Die haben nämlich auch fast alle schwarze Haare, alle könnten Nafris sein.

Für mich bleibt dennoch entscheidend: die Antanzmasche und auch die islamistischen Anschläge  werden von Menschen begangen, die „so“ aussehen wie ich. An Flughäfen beispielsweise werde ich daher immer besonders gründlich kontrolliert, ich habe mich darauf eingestellt, komme immer pünktlich. Ich hoffe aber, dass alle so kontrolliert werden, dann müsste niemand Angst haben. Allerdings passiert das nicht. Hoffentlich müssen wir nicht bald vom ersten blonden Nafri sprechen – oder wie auch immer dann die Abkürzung heißt.

Früher war ich einfach Ausländer. In der Schule hat mein Nachbar ein „Mein Freund ist Ausländer“- T-Shirt getragen, und alle waren gegen Nazis. Es ist komplizierter geworden.