Wieso eigentlich geben die Parteien so viel Geld für Wahlwerbung aus, wenn sich die Bürger davon sowieso nicht beeinflussen lassen? Ich jedenfalls kenne niemanden, der die CDU wählt, weil Frank Henkel auf einer Großfläche plakatiert ist, fröhlich lächelnd und – natürlich – mit einem Smartphone in der Hand. Smartphones sind wichtig im Wahlkampf, weil sie zeigen sollen, dass man im Neuland lebt.

Christian Lindner von der FDP lebt so sehr im Neuland, dass er seine potenziellen Wähler gar nicht mehr anschaut. Er guckt mit Ohrstöpseln auf sein Handy. Auf dem Plakat steht: „Digital first – Bedenken später“. Da wird einem ganz mulmig in einer Zeit, wo man sich eigentlich nichts mehr wünscht, als dass Politiker auch Bedenken haben.

Es ist schwer, in einem Land Wahlkampf zu machen, in dem es zwar viele Probleme, aber eigentlich kein Problem gibt. Seit nicht nur die Politiker, sondern auch die Bürger verstanden haben, dass wir in einer globalisierten Welt leben, also alles mit allem zusammenhängt, wissen sie auch, dass es uns im Vergleich mit Nigeria oder sagen wir Japan gut bis sehr gut geht.

Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn es keine Wechselstimmung gibt im Land. Die SPD wünscht sich natürlich nichts mehr als das. Aber ist das, was man auf den Plakaten vorfindet, ein Konzept für Wechsel? Es ist ein Konzept für „Weiter so, aber von allem ein bisschen mehr“.

Können Sie die Wahlplakate von CDU und SPD voneinander unterscheiden? Wenn man liest „Für gute Arbeit gute Löhne“, denkt man, man ist bei den Sozis und den Gewerkschaften. Stimmt aber nicht. Das ist ein CDU-Logo. Die Werbeagenturen von CDU und SPD sind offenbar Anhänger einer großen Koalition. Sie machen Kampagnen, bei denen zwischen SPD und CDU kein Blatt Papier passt.

Angela Merkel sagt nicht mal mehr FDP

Das Schlimmste, was Angela Merkel passieren kann, ist eine Mehrheit für Schwarz-Gelb. Es gab Wahlkämpfe, in denen die CDU-Chefin gesagt hat, die FDP sei ihr Wunschpartner. Jetzt sagt sie nicht mal mehr FDP. Sie tut, als wären die nicht da. Und auch sonst keine Partei, schon gar nicht die AfD. Merkel spricht nie über die anderen. Man unterstellt ihr ja, sie wolle am liebsten mit den Grünen regieren. Aber das stimmt nicht. Die Grünen wollen am liebsten mit Angela Merkel regieren.

Das Schlimmste, was den Grünen passieren kann, ist, dass sie am 24. September nicht auf Platz drei sind. Platz drei könnte bedeuten, dass man in irgendeiner Regierung ist, und deshalb hört man von den Grünen auch nichts, was nicht regierungskompatibel mit der SPD oder der CDU wäre. Zum Beispiel: „Zwischen Umwelt und Wirtschaft gehört kein oder“. Das ging schon mal besser: „Mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben“ polterte schon vor mehr als zehn Jahren Fritz Kuhn, der heutige Oberbürgermeister von Stuttgart.

Wir können uns also auf Folgendes einstellen: Entweder Merkel regiert mit der FDP, oder Merkel regiert mit den Grünen, oder Merkel regiert mit Grünen und FDP, oder Merkel regiert mit der SPD. Die SPD, also Martin Schulz, könnte auch Kanzler werden. Entweder er regiert mit den Grünen und der FDP, oder er regiert mit den Grünen und den Linken. Letzteres liegt nicht an ihm, sondern an den Linken, die zwei Linke sind und nicht so recht wollen.

Etwa ein Viertel der Wähler ist derzeit noch unentschieden. Kein Wunder.