Man könnte die Verständigung der großen Koalition auf einen künftigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier als ein Zeichen der Stärke ihrer Kanzlerin werten. Ungeachtet der parteipolitischen Kräfteverhältnisse entscheidet sich Angela Merkel für den Sozialdemokraten – weil er der Beste für das Amt ist, der beliebteste Politiker im ansonsten mit der Politik so unzufriedenen Volk, das Ganze ein selbstloser Akt demokratischer und staatspolitischer Verantwortung der CDU-Vorsitzenden.

Man könnte das so zeichnen, es wäre ein schönes, jedoch ein falsches Bild. Dieser Kandidat ist zwar gut für das Land, welch ein Glück. Aber er ist, wie schon sein Vorgänger Joachim Gauck, ein Ausweis der Schwäche der Kanzlerin. Sie hat es weder vermocht, einen überzeugenden Mann – oder, endlich einmal eine überzeugende Frau – aus der Union oder ihrem Umfeld zu finden. Noch konnte sie die CSU davon überzeugen, mit Winfried Kretschmann einen konservativen Grünen in das höchste Staatsamt zu wählen und so die machtpolitische Handlungsfähigkeit der Union unter neuen Vorzeichen zu demonstrieren. Immerhin ist sie wohl noch stark genug, um die CDU wenigstens um einen ehrenwerten Sozialdemokraten zu versammeln.

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