Ein normales öffentliches Unternehmen ist die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) schon lange nicht mehr. Betriebe wie die Stadtreinigung oder die BVG werkeln mehr oder weniger still vor sich hin und kümmern sich darum, dass die Stadt funktioniert. Die FBB hat eigentlich das gleiche  Ziel, erreicht jedoch das Gegenteil. Da sie seit Jahren daran scheitert, einen mittelgroßen Flughafen zu bauen, riskiert sie die Funktionsfähigkeit der Stadt.

Fünf vermeintliche Spitzenmanager mit besten Meriten haben beweisen dürfen, dass sie der Aufgabe nicht gewachsen sind. Den Beschluss des Flughafen-Aufsichtsrats, den Berliner Flughafen-Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup zum neuen Flughafenchef zu machen, kann man darum so interpretieren: Der BER und die Flughafengesellschaft wurden unter politische Zwangsverwaltung gestellt.

Diese Entscheidung ist schlecht – und damit wird sie dem Zustand des Projekts gerecht. Eine gute Entscheidung war nicht möglich, weil es keine gute Lösung für den Konflikt mit Ex-Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld gab. Kein externer Bewerber wollte seine Karriere ruinieren und Mühlenfelds Nachfolge antreten.

Gleichzeitig ist nachvollziehbar, dass die Politiker im Aufsichtsrat nicht mehr mit Mühlenfeld zusammenarbeiten wollten. Mit dem Rauswurf seines Technikchefs schätzte er seinen Handlungsspielraum dramatisch falsch ein – Mühlenfeld war offensichtlich entgangen, dass er längst unter verschärfter Beobachtung stand. Dringliche Appelle aller Gesellschafter ignorierte er. So kann ein Frühstücksdirektor handeln, nicht aber der Leiter eines mit öffentlichen Mitteln finanzierten Milliardenprojekts.

Lütke Daldrup als Statthalter des Berliner Senats

Die Folgen der Entscheidung vom Montag sind dennoch dramatisch. Bislang traf der Flughafen-Geschäftsführer zumindest teilweise unabhängige Entscheidungen, die er vor dem Aufsichtsrat verantworten musste. Formell wird das weiterhin so sein, aber in der öffentlichen Wahrnehmung wird Lütke Daldrup der Statthalter des Berliner Senats sein. Jeder noch so kleine Fehler, den er macht, fällt auf die Berliner Landesregierung zurück – und man darf davon ausgehen, dass die Fehler sehr viel mehr Aufmerksamkeit erfahren werden als die Erfolge. Die Opposition und die Presse werden dafür sorgen.

Mit der Ernennung Lütke Daldrups bleibt Michael Müller darum in der Verantwortung für den BER, auch wenn er den Aufsichtsrat verlässt – er trägt sie sogar in noch viel stärkerem Maß als bisher. Lütke Daldrup kann für Müller nicht mehr der Buhmann sein, wenn etwas danebengeht. Auch der Bund, der zusammen mit Berlin Mühlenfelds Ablösung betrieb, ist an ihn gebunden. Mit guter Unternehmensführung hat diese Konstellation wenig bis gar nichts zu tun. Und doch birgt sie den Hauch einer Chance für den politischsten Flughafen aller Zeiten.

Die Politiker im Aufsichtsrat können diese Chance nutzen. Sie müssen gemeinsame Positionen finden, die dann auch alle drei Gesellschafter gemeinsam tragen – und zwar auch bei konfliktgeladenen Themen wie dem Nachtflugverbot am neuen Flughafen. Ein politisches Projekt braucht einen gemeinsamen politischen Willen, und der ist am BER schon lange verloren gegangen. In den meisten zentralen Fragen  – Nachtruhe, Ausbau, Regierungsterminal – stehen zwei Partner gegen einen. Diese Konflikte übertragen sich auf andere Fragen, die damit eigentlich nichts zu tun haben.

Nur bedingt der richtige Kandidat

Kann das gelingen? Mit viel Disziplin aller Beteiligten vielleicht. Berlin könnte zum Gelingen beitragen. Alle vier Aufsichtsratsmandate müssen neu besetzt werden, da außer Müller und Lütke Daldrup auch Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) das Gremium verlassen werden. Wenigstens einen externen Experten für Baufragen oder Flughafenbetrieb sollte der Senat benennen. Wenn es zwei werden – umso besser.

Bleibt noch die Frage: Ist Engelbert Lütke Daldrup der richtige Kandidat, um die Flughafengesellschaft zu leiten? Nur bedingt. Vom Bauen versteht er etwas, den BER kennt er auch bestens. Mit Diplomatie hat er es dagegen nicht, gerade in Brandenburg sieht man ihn skeptisch. Er wird sich anstrengen müssen, alle anderen müssen sich bemühen, seine Schwächen auszugleichen. Mit etwas Glück ist das Projekt in ein, zwei Jahren abgeschlossen. Dann findet sich vielleicht auch ein externer Geschäftsführer. Und eines Tages wird die Flughafengesellschaft vielleicht wieder zu einem normalen öffentlichen Unternehmen.