Karsten Mühlenfeld wird aller Voraussicht nach nur noch kurze Zeit Flughafenchef sein. Vielleicht ist dieser Montag schon sein letzter Arbeitstag, wenn der Aufsichtsrat entsprechend entscheidet. Bedauern wird das niemand, womöglich nicht mal er selbst. Auch die, die ihn zuletzt verteidigten, wussten um die große Schwäche des Managers: Er kommuniziert schlecht.  Dass er dabei andere Führungskräfte oder  Politiker in ihren Eitelkeiten verletzt hat,  ist das kleinere Problem. Schwerwiegender ist, dass Mühlenfeld in seinen zwei  Jahren im Amt offenbar  nicht verstanden hat, in was für einem sensiblen Umfeld er sich bewegte.

Viele hält noch ihr Pflichtgefühl

Mühlenfeld hat zwar mehr erreicht als sein Vorgänger Hartmut Mehdorn und sowieso mehr als sein Vorvorgänger Rainer Schwarz, unter dessen Verantwortung der Flughafenbau havarierte. Aber seine Herangehensweise an das Projekt war eine ähnliche: etwas tüfteln, der Rest klappt mit Hauruck.

Dabei ist die zentrale Aufgabe des Flughafenchefs das, was für Mühlenfeld eine lästige Nebensache war: alle bei Laune zu halten. Die Öffentlichkeit – und also auch die Presse –, die ein legitimes Interesse hat, was die Flughafengesellschaft mit mehreren Milliarden Euro öffentlicher Gelder anstellt. Die Politiker, die in der Verantwortung für diese Gelder stehen. Und die eigenen Mitarbeiter.  Viele hält noch ihr Pflichtgefühl. Wenn es aber so weit kommt, dass die  wirklichen Bauexperten sich andere Jobs suchen, dann kann der Aufsichtsrat noch so oft neue Geschäftsführer bestellen – sie werden den BER nicht fertig kriegen.

Alphatiere messen ihre Kräfte

Gescheitert sind am BER nicht nur nacheinander mehrere vermeintliche Spitzenmanager. Gescheitert sind die Führungsmethoden der Alphatiere. Und sie sitzen in der Flughafengeschäftsführung genau so wie im Aufsichtsrat. Auch dort wird allzu oft nicht über Probleme beraten, sondern es werden Kräfte gemessen und alte Rechnungen beglichen. Es sind viel zu viele Schäufelchen im Sandkasten, sagte jemand kürzlich.

Um im Bild zu bleiben: Ein gutes Ergebnis der Sitzung an diesem Montag wäre, wenn sich die Aufsichtsräte zurückziehen auf die Bänke am Rand des Spielplatzes, so wie es verantwortungsvolle Eltern tun. Der neue Geschäftsführer sollte allen, die mitbauen wollen, ihre Schäufelchen gönnen. Vielleicht wird die Burg ja sogar richtig schön.