Irgendwann, bevor der letzte Chip verloren ist, setzt der Roulettespieler alles auf eine Chance: Schwarz oder Rot. Entweder verdoppelt sich der Einsatz, oder das Spiel ist vorbei. So ähnlich agieren derzeit die Republikaner von US-Präsident Donald Trump.

Zehn Monate lang hat die Partei gesetzgeberisch praktisch nichts auf die Reihe bekommen. Drei Anläufe für eine Gesundheitsreform scheiterten. Wenn nun auch noch die Steuerreform gegen die Wand fährt, sieht es bei den Zwischenwahlen im nächsten Jahr finster aus für viele Abgeordnete.

Also soll das Vorzeigeprojekt der Konservativen durchgepeitscht werden. Die Umsetzung eines so komplexen Vorhabens mit einem gigantischen Volumen von 1,5 Billionen Dollar innerhalb weniger Wochen ist schon handwerklich kaum sauber zu bewerkstelligen. Das Tempo macht schwindelig – und offenbar ist genau das gewollt.

Wie anders kann man erklären, dass die Republikaner ernsthaft das Gesundheitssystem Obamacare zerstören wollen, um ihre Steuergeschenke für Unternehmen und Gutverdiener zu finanzieren?

Präsident spart zweistelligen Millionenbetrag an Steuern

Konservative Strategen mögen die Verknüpfung der beiden Gesetze für einen genialen Schachzug halten: Der De-facto-Zwang zur Krankenversicherung ist bei ihren Wählern ohnehin unbeliebt, die Aussicht auf einen Scheck vom Finanzamt wirkt verlockend. Tatsächlich würde die Abschaffung der Versicherungspflicht zu einer dramatischen Risiko-Entmischung führen.

Wenn aber nur noch die Alten und Kranken eine Police abschließen, bricht das System irgendwann zusammen. Auf der anderen Seite dürfte die steuerliche Entlastung der Privathaushalte viel geringer ausfallen, als es die niedrigen Steuersätze vermuten lassen. Im Gegenzug sollen nämlich die Abzugs- und Abschreibemöglichkeiten für lokale Steuern, Studiengebühren oder Hypothekenzinsen stark beschnitten werden.

Unter dem Strich werden keineswegs alle Amerikaner von dieser Reform profitieren. Wenn aber die ersten Trump-Wähler begreifen, dass sie kaum mehr Netto in der Tasche haben und keine bezahlbare Police für ihre Kinder mit einer Asthma-Erkrankung finden, während ihr Präsident jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag an Steuern spart, könnte der zynische Doppelschlag der Republikaner zum politischen Bumerang werden.