Späti in der Danziger Strasse.
Foto: Benjamin Pritzkuleit

BerlinMünchen ist nicht Berlin, da kann sich die „heimliche Hauptstadt“ an der Isar noch so aufplustern. Und noch sind wir in Berlin nicht so weit, wegen steigender Corona-Zahlen in der City täglich von 9 bis 23 Uhr eine generelle Maskenpflicht einzuführen. Noch gibt es keine Sperrstunde ab 23 Uhr oder gar ein Alkoholverbot an gut besuchten Plätzen. Noch.

Denn Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller schaut ganz genau nach München. Sollten die Restriktionen dort schon bald zu einem signifikanten Rückgang der Neuinfektionen führen, sind ähnliche Szenarien auch in Berlin denkbar. Denn auch hier – vor allem in den Innenstadtbezirken – steigen die Corona-Zahlen an.

Zu den Geschädigten würde vor allem die Gastronomie gehören, eine Branche, die seit Corona besonders unter Druck ist und im Fokus steht. Nach Berechnungen hängen in Berlin rund 250.000 Jobs mittel- und unmittelbar vom Ausgeh-Gewerbe ab. Einen zweiten Lockdown würden viele Betriebe wirtschaftlich nicht überleben. Gleichzeitig waren Bars, Kneipen und Clubs in der Pandemie immer wieder Infektions-Hotspots. Zum Glück für die Gastronomen – und übrigens auch für alle Berliner – findet sich unter den verantwortlichen Politikern auf Landes- und auf Bundesebene niemand, der einen zweiten Lockdown befürwortet. Im Gegenteil, gefahndet wird nach einer klugen, differenzierten Strategie.

Wenn jetzt also der Hotel- und Gaststättenverband „eine große Angst unter den Restaurantbetreibern“ ausmacht, gibt es eigentlich keinen Grund, dass diese sich vor der Politik fürchten. Aus Sicht von Regierungschef Müller ist nicht die ordnungsgemäß arbeitende Gastronomie das Problem, sondern die Spätis oder Bars sind es, die den Außerhaus-Verkauf von Alkohol forciert haben. Wenn also Gastronomen Angst haben müssen, dann vor dem Virus und der daraus resultierenden Unlust, in geschlossenen Räumen zu trinken.