Die meisten Autofahrer verstehen keinen Spaß, wenn es ihnen an den Geldbeutel geht. Wenn ein Politiker ankündigt, dass die Parkgebühren steigen und die parkgebührenpflichtigen Bereiche größer werden sollen, muss er sich auf einen Sturm der Entrüstung gefasst machen. Das durfte nun auch der Berliner Verkehrs-Staatssekretär Jens-Holger Kirchner erleben. Der Grünen-Politiker treibe die Verdrängung der Autofahrer aus der Innenstadt weiter voran, kritisierte die FDP. Die Christdemokraten witterten Umerziehungsmaßnahmen und  eine Bevormundung der Verkehrsteilnehmer.

Ein Blick auf die Fakten zeigt allerdings, dass die Aufregung unberechtigt ist – vor allem, wenn man über den Tellerrand hinausschaut. Wer in Berlin in einer Parkzone wohnt und dort sein Auto abstellen will, zahlt für den zwei Jahre gültigen Parkausweis 20,40 Euro – pro Jahr 10,20 Euro. Für diesen Betrag dürfte in anderen Städten nicht mal eine Stunde lang geparkt werden.

Seitdem die SPD-Verkehrssenatorin Junge-Reyer den Preis der Anwohner-Vignette vor neun Jahren von 51 Euro auf 40 Prozent des bisherigen Niveaus gesenkt hat, gehört Berlin zu den billigsten Parkplatzrefugien weltweit. Um zu ermessen, in welchem Paradies Berlins Autofahrer leben, genügt ein Blick in die Gebührentabellen anderswo. So kostet ein Bewohnerparkausweis im Londoner Stadtbezirk Westminster je nach Hubraum des Fahrzeugs umgerechnet 122 oder 170 Euro – pro Jahr, wohlgemerkt. In Zürich werden 280 Euro fällig, in Kopenhagen bis zu 155 Euro, ebenfalls jährlich. Im Deutschland-Vergleich erweist sich die Hauptstadt ebenfalls als billig. In München, Köln, Potsdam oder Tübingen berechnen die Behörden für einen Bewohnerparkausweis 30 Euro – wiederum pro Jahr.

Auch wer am Automaten einen Parkschein zieht, kommt glimpflich davon. Seit 2007 wurden die Parkgebühren in Berlin nicht mehr erhöht – während der Senat zuließ, dass die Monatskarte für  Bahn und Bus rund 15 Prozent teurer wurde. Weiterhin ist es in Berlin nicht teuer, wertvollen Straßenraum stundenlang mit Blech zuzustellen.

Sicher: Es gibt Senioren, Schichtarbeiter und andere Autofahrer, die jede Gebührenerhöhung spüren werden. Trotzdem muss es erlaubt sein, über eine moderate Erhöhung der Parkgebühren nachzudenken.