Berlin - Als der Wachschutz an Neuköllner Schulen vor fünf Jahren eingeführt wurde, beteiligten sich bald 16 Schulen. Vielerorts schien der Schulfrieden gestört zu sein, vor allem, weil Menschen von außen in die Schulgebäude gelangten – verfeindete Jugendgangs, große Brüder, die die Ehre ihrer kleinen Schwester retten wollten, oder auch Drogensüchtige. Neben der Rütli-Schule wurde dieser Wachschutz zu einem Markenzeichen von Neukölln. Big Buschkowsky, der Bezirksbürgermeister, konnte damit signalisieren, dass er hart durchgreift.

Als der recht teure Wachschutz nicht mehr finanzierbar war, brach so etwas wie Panik im Rathaus Neukölln aus. Was tun? Um dem öffentlichen Neukölln-Bild gerecht zu werden, verfiel die junge, ehrgeizige Schulstadträtin Franziska Giffey auf eine fixe Idee: Ein-Euro-Jobber sollten erst mal die Schulen bewachen. Dabei ist das reichlich absurd. Man schickt die eingearbeiteten Wachschützer, die gekündigt wurden, als Arbeitslose ins Jobcenter. Und holt sich aus dem Jobcenter billige Langzeitarbeitslose, die als Praktikanten tätig sein und irgendwann eine Wachschutzprüfung bestehen sollen. Wirkt etwas planlos.

Was aussteht, ist eine Evaluation des Wachschutz-Einsatzes in Neukölln. Es gibt sicher einige Schulen, die besonders geschützt werden müssen. Andere haben Wachschützer womöglich nicht ganz so nötig, nehmen es aber hin, wenn der Bezirk eh zahlt. Womöglich sollte man an schwierigen Standorten eher eine Pförtnerloge samt Pförtner etablieren. Dann wäre man das W-Wort los. Dann müssten Bezirksbürgermeister Buschkowsky und seine Genossen keinen ideologischen Streit um Wachschützer mehr führen. Auch Pförtner können im Extremfall die nächste Polizeistation anrufen oder die Tür abschließen.