Das Schuljahr in Berlin geht so ganz allmählich zu Ende. Bevor es Zeugnisse und dann endlich Ferien gibt, müssen aber noch die Bundesjugendspiele absolviert werden. Wer im Westen aufgewachsen ist, kennt das Prozedere: Für Weitsprung, Laufen und Werfen werden nach Alter und Disziplin unterschiedliche Punkte vergeben. Wer super ist, bekommt eine Ehrenurkunde, die sogar vom Bundespräsidenten unterzeichnet wird. Wer ganz okay ist, bekommt eine Siegerurkunde, alle anderen bringen nur eine Teilnehmerurkunde nach Hause. Das ist die quasi behördliche Bestätigung, dass das Kind bestenfalls Durchschnitt ist.

Generationen von Schülern haben auf diese Weise regelmäßige Misserfolge erlebt. Nicht schön, aber auch kein Drama. Wir Eltern haben so wenigstens einmal im Jahr die Möglichkeit, mit unseren Kindern eine Erfahrung zu teilen, die wir auch schon gemacht haben. Das wird im digitalen Zeitalter ja immer seltener. Über die als Sportereignis selbstverständlich überflüssigen Bundesjugendspiele lässt sich also nur Gutes sagen. Doch jetzt ist diese liebgewonnene Tradition in Gefahr.

Eine Mutter aus dem Süden der Republik hat auf der Webseite change.org eine Internetkampagne gestartet, um die Bundesjugendspiele abzuschaffen. Sie argumentiert, dass der „Zwang zur Teilnahme und der starke Wettkampfcharakter“ bei vielen Schülern für das Gefühl sorge, „vor der Peergroup gedemütigt zu werden“. Das soll jetzt kein Trost sein, aber ist das nicht in vielen anderen Fächern auch der Fall? Wettbewerb, Zwang zur Teilnahme, Versagen vor den Augen der anderen – das gibt’s in Mathe, Geschichte und Deutsch nicht nur einmal im Jahr. Und da hat man nicht die Möglichkeit faul im Gras zu liegen und über die Streber zu lästern, die in der sengenden Sonne um Punkte kämpfen.