Wer in Deutschland politisch etwas werden will, der sollte irgendetwas total ungerecht finden und versprechen, er, und nur er, werde das ändern, und zwar sofort. Denn je besser es uns hierzulande geht, desto empörter ertönt das Wehgeschrei: Ungeräääächt!

Seit Bismarcks Zeiten und unter ziemlich verschiedenen Regierungssystemen verstehen die meisten Deutschen unter Gerechtigkeit das Umverteilen. Das dafür nötige Geld soll sich der Staat holen, wo und wie er will, nur nicht von der übergroßen Mehrheit, die sich ungerecht behandelt glaubt.

Auf dieser gefühlspolitischen Welle reitet SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Er ermuntert die Leute nicht, ihr Glück zu suchen und zu machen, er redet nicht von den Vorzügen der Freiheit, sondern vom angeblich gemütlichen materiellen Ausgleich.

Aber was ist in einer freien Gesellschaft gerecht? Ich finde, dass vor allem ein Maximum an Chancengleichheit angestrebt werden sollte. Wer das will, der muss heute öffentliche Krippen und Kitas ausbauen, die Gebühren dafür abschaffen, Schulbücher kostenlos zur Verfügung stellen, außerschulische Angebote stärken, das dafür erforderliche Personal gut ausbilden und angemessen entlohnen.

All dem wird der Wahlkämpfer Schulz zustimmen, jedoch verrät er nicht, wer diese Segnungen bezahlen soll. Die von ihm und anderen Linken unterschwellig geförderte Illusion, man könne die erforderlichen Gelder „den Reichen“ abknöpfen, ist abwegig, weil es so viele Reiche nicht gibt. Auch angesichts internationaler Konkurrenz und Ausweichmöglichkeiten bleibt am Ende immer nur der Rückgriff auf die inzwischen sehr breite Mittelschicht.

Versprechen von Schulz bedrohen Bildungsetats

Wer die Ganztagsbetreuung von Kindern radikal ausbaut, sollte die im Vergleich zu Frankreich üppigen deutschen Kindergeldzahlungen und Steuerfreibeträge überdenken. Denn diese stammen aus der westdeutschen Ära der staatlich betriebenen Verhinderung von Ganztagsschulen, Kinderkrippen und Kindertagesstätten.

Wer die Chancen derjenigen verbessern will, die aus bildungsferneren Familien stammen, müsste auch Mittel innerhalb des Bildungssektors umlenken und zum Beispiel über Studiengebühren an den Universitäten nachdenken. Das wäre nur gerecht, weil die meisten angehenden Physiotherapeutinnen oder Chemisch-Technischen-Assistenten für ihre Ausbildung bezahlen müssen, ebenso die Handwerksgesellen, die Meisterkurse absolvieren.

Wer Chancengleichheit will, der muss Zuwanderer veranlassen, binnen kurzer Zeit Deutsch zu lernen, damit sie ihre Chancen am Arbeitsmarkt verbessern. Wer das will, braucht Geld. Vor allem aber darf er nicht zulassen, dass auf vielen Berliner Schulhöfen in den Pausen überwiegend Türkisch oder aber Arabisch gesprochen wird. Doch haben neben Funktionären türkischer Verbände auch solche der jetzt regierenden Grünen entsprechende Vorschriften als „Zwangsgermanisierung“ verächtlich gemacht.

Chancengleichheit für möglichst viele Kinder und Jugendliche verlangt klares Denken, finanzielle Prioritäten und daher Verzicht für andere. Daraus folgt: Die von Martin Schulz aus der hohlen Hand versprochenen Wohltaten (längere Zahlung des Arbeitslosengelds I, höhere Renten, mehr Grundsicherung und Hartz-IV) bedrohen die Bildungsetats und mindern die Zukunftsaussichten der Jüngeren.