Für eine generelle Silvester-Entwarnung ist es sicher zu früh.
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BerlinUnd wie war Silvester? Haben die erstmals etablierten Böllerverbotsszonen am Alexanderplatz und in Schöneberg funktioniert, oder muss man sagen: Same procedure as every year?

Eine Antwort ist gar nicht so einfach. Tatsächlich blieb es in beiden Zonen, in denen in den Jahren zuvor immer wieder Polizei und Feuerwehr massiv angegriffen wurden, diesmal ruhig. Es wurde (fast) nicht geböllert, Exzesse blieben aus. Aber der Preis dafür war sehr hoch: 550 Polizisten waren im Einsatz, martialisch aussehende Wasserwerfer wurden aufgefahren, um die Orte zu befrieden. Mit Erfolg, wie die Polizei meldet.

Doch für eine generelle Silvester-Entwarnung ist es sicher zu früh. Berichte aus anderen Kiezen von Szenen wie im Bürgerkrieg sind Zeichen für ein aggressives Klima in manchen Teilen Berlins. Doch das kann schon wenige Straßenzüge weiter ganz anders aussehen. So wirkten diverse innenstadtnahe Viertel diesmal ausgesprochen zivil.

Einer Abkehr fehlt die Grundlage

So diffus das Bild der Stadt in der letzten Nacht des Jahres ausfällt, so offen ist, wie es weitergeht. In den nächsten Tagen und Wochen wird das politische Berlin eine Bilanz des Jahreswechsels 2019/20 ziehen und zugleich den Blick auf das nächste Silvester in 364 Tagen werfen.

Eine Vorhersage ist sicher nicht zu gewagt: Der Alex und der Steinmetzkiez in Schöneberg werden auch nächstes Jahr Böllerverbotszonen bleiben. Eine Abkehr von dieser Praxis wird sich kaum begründen lassen. Viele Politiker glauben, dass man die Befriedung von Silvester so angehen müsse wie die des 1. Mai. Viele kleine Schritte sollen dazu führen, die Tradition einer ritualisierten Randale zu brechen. Könnte sein, dass da was dran ist.