Berlin - Sie haben keine Langeweile gehabt in den vergangenen Monaten, eher ein bisschen zu viel Aufregung. Die Senioren haben mit der Besetzung ihres Freizeittreffs in Pankow für ziemlichen Wirbel gesorgt. Nicht nur in Berlin, in der ganzen Welt berichteten die Medien über diese Aktion.

Es ist eher unüblich, dass sich die Alten wehren, wenn ihnen genommen wird. Senioren ziehen nicht in Sprechchören durch die Stadt, wenn ihre Rente so niedrig bleibt wie der Sozialhilfesatz. Sie schreiben seltener Protestbriefe, wenn die Stufen in der Bahn zu hoch für ihre kaputten Beine sind und sie den Rollator nicht schnell genug über die Straße schieben, bevor die Ampel wieder Rot zeigt.

Alte neigen dazu, sich ihrem Schicksal zu beugen, sie sind häufig illusionslos und schweigen. Es habe doch keinen Sinn mehr, sagen sie.

Die Pankower Senioren haben den Jüngeren gezeigt, dass es auch anders geht. Sie haben sich was getraut und bewiesen: So ein Protest (eine Hausbesetzung!) kann zum Erfolg führen. Denn jetzt gibt es eine Perspektive für den Rentnertreff. Die Alten haben nicht aufgegeben, sie haben sich dem von ihnen beklagten Kultur- und Sozialabbau nicht gebeugt. Sie haben sich gewehrt. Weil sie nicht allein in ihren Wohnzimmern sitzen, sondern in ihrem Rentnerclub Englisch lernen, Sport treiben und Schach spielen. Weil sie fit und rüstig sind, sich nichts mehr gefallen lassen. Und nicht schweigen wollen.