Popstars sind Exzentriker, das ist ein Teil ihres beruflichen Anforderungsprofils. Einer, der dieses Prinzip früh beherzigt hat, ist der britische Musiker Morrissey, der in den 80er-Jahren mit der Band The Smiths beachtliche Folge erzielte und auch hernach eine stattliche Fangemeinde hinter sich versammeln konnte. Ein ruppiger Typ, der aber gerade wegen seiner Knorrigkeit und intellektuellen Unberechenbarkeit geliebt wurde.

Selbstdarsteller, cholerischer Poet – mit solchen Zuschreibenden eröffnet man dann auch schon mal ein Interview (wie jetzt im Spiegel), das nach dem Prinzip organisiert zu sein scheint, maximale Provokation zu erzielen. Und Morrissey liefert artig. Mit Donald Trump, so Morrissey, haben sich die amerikanischen Medien selbst ins Bein geschossen. „Seitdem er an der Macht ist, hat er die Welt erschöpft. Er grapscht nach allem wie ein kleines Kind.“ Hübsch gesagt und zudem irgendwie auch eine triftige psychologisch-politische Beschreibung der amerikanischen Verhältnisse.

Aber der Notizblock der Fragenstellerin ist viel zu lang, als dass man ein wenig länger bei Trump verweilen könnte. Morrissey gilt als Befürworter des Brexit, aber da haben die meisten etwas falsch verstanden. Er hat sich eher an dem Prozess begeistert, der zu der Abstimmung führte. „Der Ausgang des Brexit-Referendums fasziniert mich, weil er ein Sie für die Demokratie war. Das Volk hat Ja gesagt. (…) Ob man den Brexit an sich gutheißt, ist eine andere Sache, aber ich war sehr stolz auf die Briten.“

Traurig, dass Berlin "die Vergewaltigungshauptstadt geworden ist"

Zur Pose des Popstars gehört die Haltung des Dagegenseins, und in dem Metier ist Morrisssey ziemlich gut gerüstet. Er ist gegen Tierversuche, aber auch gegen die Boykotte der anti-israelischen BDS-Bewegung, die Musiker dazu auffordert, keine Konzerte in Israel abzuhalten.

Und das Deftigste zum Schluss. Morrissey ist gegen die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Er sei traurig, dass Berlin die Vergewaltigungshauptstadt geworden ist. Berlin ist was? „Ja, ja,“, sagt Morrissey. „Wegen der offenen Grenzen“. Er ist auch gegen Multikulturalismus. „Ich will, dass Deutschland deutsch ist. Ich will, dass Frankreich französisch ist.“

Und so liest sich das ganze Interview, als habe jemand eine Münze in einem Meinungsautomaten geworfen. Es plappert und plappert, und einer, der seine ganze Karriere davon gezehrt hat, gegen das Establishment zu sein, merkt nicht einmal, dass er nur gefragt wird, weil er Establishment ist.