Berlin - Jahrelang standen vor allem die allgemeinbildenden Schulen im Mittelpunkt der Berliner Bildungspolitik. Angesichts der zahlreichen Reformen an Grund- und Oberschulen gerieten die gut 35 Oberstufenzentren und die 18 staatlichen Berufsschulen etwas ins Abseits. Vom Reformeifer der Bildungsverwaltung verschont zu bleiben, muss ja nicht immer schlecht sein.

Doch wenn der Senat die seit Jahren geplante Berufsschulreform immer wieder verschiebt, dann wirkt das wie eine bewusste Missachtung.

Mit der angekündigten Gründung einer Jugendberufsagentur für Berlin kommt jetzt Bewegung in die Sache, erfahren die beruflichen Schulen hoffentlich mehr Wertschätzung und arbeiten untereinander stärker zusammen. Die Jugendberufsagentur jedenfalls muss eng mit den Berufsschulen kooperieren, soll die Jugendarbeitslosigkeit in Berlin, leider die höchste in Deutschland, weiter gesenkt werden. Schon jetzt sind es oft gerade die Lehrer an Oberstufenzentren, die Jugendlichen noch eine berufliche Perspektive verschaffen. In nicht wenigen Fällen sind sie die letzte Instanz, bevor Schüler völlig auf die schiefe Bahn geraten.

Es gibt auch Fehlentwicklungen, weil Schulen mitunter Schüler behalten, um keine Lehrerstunden abgeben zu müssen. Es hakt auch noch bei der Kooperation mit Sekundarschulen, mit Firmen und in der Öffentlichkeitsarbeit. Doch welch gute Arbeit berufliche Schulen machen, zeigt sich daran, dass ein Oberstufenzentrum nun sogar für den angesehenen Deutschen Schulpreis 2014 nominiert ist. Leider bilden nur 20 Prozent der Betriebe selbst aus, Berlin ist von der Wirtschaftskraft her nicht Hamburg. Ohne die vollschulische Ausbildung an den Oberstufenzentren hätten wir noch viel mehr ungelernte Schulabgänger.