In dieser Woche las ich, dass die Regierung ein Recht auf befristete Teilzeit-Arbeit plant. Ich stolperte jedes Mal über das Wort. Teilzeit. Teil-Zeit. Man kann seine Tage aufteilen, die Woche, aber die Zeit? Gibt es Teil-Schwangerschaften? Oder Teil-Ehen? Wie geht das? Man ist verheiratet, aber nur von Montag bis Mittwoch?

Teilzeit klingt nach etwas Halbem, Unfertigem. Nach einer Zeit, die irgendwie weniger wert ist. Wenn man das Wort bei Google eingibt, kommt man auf „Teilzeit-Falle“. In dieser Falle steckten viele bisher; wer einmal reduziert hatte, dem war es fast unmöglich, die Stunden wieder aufzustocken. Die GroKo will das jetzt ändern. Aber bringt das was?

Teilzeit ist Frauensache

Teilzeit ist Frauensache, so wie Tampons, Wäsche waschen und Romane von Jojo Moyes. Von den rund neun Millionen Beschäftigten mit Teilzeit-Jobs sind achtzig Prozent Frauen – Frauen mit Kindern, um genau zu sein. Während die Mehrheit der kinderlosen Frauen Vollzeit arbeitet, sind es bei denen mit Kindern nur 26 Prozent. Bei den Männern ist es umgekehrt, sie arbeiten nach der Geburt eines Kindes sogar oft noch mehr: 91 Prozent aller Männer mit Kindern arbeiten Vollzeit, aber nur 76 Prozent der Männer ohne Kinder. Teilzeit-Papas sind so selten wie Breitmaulnashörner.

Ich erinnere mich an einen früheren Chef, der sich darüber beschwerte, wie viele Teilzeit-Muttis er im Team habe und wie schwierig die Arbeitsorganisation dadurch sei. Damals hatte ich noch keine Kinder. Aber ich merkte mir, dass Teilzeit was ganz Übles ist. Die Mütter waren übrigens genauso fleißig, wenn nicht fleißiger als ihre Kollegen. Wer Teilzeit arbeitet, wird bestraft. Man kommt weniger Gehalt, hat weniger Aufstiegschancen und später weniger Rente.

Die Quittung kommt per Rentenbescheid

Am Ende zahlen vor allem Frauen mit Kindern drauf. Ihren Zweitjob – Kind von der Kita abholen, Hausaufgaben machen, Familienhaushalt organisieren – erledigen sie nebenher, ganz selbstverständlich, ohne dass darin jemand besonders viel Wert sieht. Die Quittung kommt per Rentenbescheid: Die durchschnittliche Rente von Frauen ist etwa halb so hoch wie die der Männer. Es mag bitter klingen, aber Frauen, die sich vor Altersarmut fürchten, sollten lieber keine Kinder bekommen, sondern als Single viel arbeiten.

Solange die Vierzig-Stunden-Woche das Ideal bleibt, ist es auch fast egal, wie man reduziert, man macht es fast immer falsch: Reduziert man auf nur wenige Stunden, verliert man Gehalt und Chancen im Job. Arbeitet man mit 32 Stunden „vollzeitnah“, wie es so schön heißt, muss man im Prinzip die gleiche Arbeit in weniger Zeit schaffen und verzichtet auf Gehalt. Auch ein Schuss ins Knie.

Eine typische Halb-Reform

Das neue Gesetz sieht vor, dass Beschäftigte bis zu fünf Jahre in Teilzeit gehen dürfen und danach ihre Stunden wieder aufstocken können. Es ist eine typische Halb-Reform, mit lauter Ausnahmen und Einschränkungen. Es wird nicht dazu führen, dass die Väter scharenweise zu ihren Chefs rennen, um Stunden zu reduzieren und sich mehr um die Kinder zu kümmern. Weil sich ja am Image nichts ändert. Und was nützt das Recht auf befristete Teilzeit, wenn es sich für verheiratete Frauen mit Kindern weiter eher lohnt, einen Minijob anzunehmen, wegen der Steuern, wegen der Gratis-Mitversicherung?

Das Teilzeit-Gesetz ist nicht falsch, hilft Müttern aber wenig weiter. Ehrlicher wäre, wenn man darüber nachdenken würde, wie man die Arbeitszeit über den Lauf des Lebens anders organisieren könnte, für Männer und Frauen. Den Begriff Teilzeit sollte man abschaffen, wie Hartz IV.