Russischer Kriegspanzer in Berlin-Mitte: Eine zwiespältige Aktion!

Das Wrack eines in der Ukraine erbeuteten russischen Panzers darf in der Nähe der russischen Botschaft aufgestellt werden. Die Aktion weckt Zweifel.

Kiew: Menschen inspizieren im August die zerstörte Ausrüstung der russischen Armee, die in der Khreschatyk Straße im Zentrum der Stadt ausgestellt ist. 
Kiew: Menschen inspizieren im August die zerstörte Ausrüstung der russischen Armee, die in der Khreschatyk Straße im Zentrum der Stadt ausgestellt ist. Aleksandr Gusev/SOPA Images via ZUMA Press Wire

Das Berliner Verwaltungsgericht hat entschieden, dass die Betreiber des „Berlin Story Bunker“-Museums, Enno Lenze und Wieland Giebel, ein russisches Panzerwrack in Mitte aufstellen dürfen. Zwar nicht direkt vor der russischen Botschaft wie geplant, aber doch ganz in der Nähe. Das Urteil wurde in den vergangenen Tagen in den sozialen Medien einhellig gefeiert. Die Meinungsfreiheit (Begründung des Verwaltungsgerichts) triumphiert über die „politischen Feiglinge“ (Tweet von Andrij Melnyk) des Bezirksamtes in Mitte. Jetzt muss das Amt die Aufstellung des zerschossenen Russen-Panzers genehmigen.

Darf man trotzdem Zweifel an dem Projekt haben?

Die Aktion soll den Menschen in der Hauptstadt zeigen, was der Krieg wirklich bedeute. So erklärte es der Organisator Enno Lenze der Deutschen Presseagentur: „Diese abgeschossenen Panzer sind für Menschen, die so etwas nicht kennen, sehr beeindruckend.“ Die Frage ist nur: Wie wird dieses Panzerwrack auf die Berliner und Touristen wirken – vor allem an diesem Ort? Wird da nicht auch so etwas wie Triumph entstehen, nach dem Motto, da seht ihr mal, ihr Russen, was euch der Angriff auf die Ukraine einbringt? Für Menschen, die auf sicherem deutschen Boden stehen, hat das dann aber den Geruch von Gratismut. Wer hierher kommt, hat die Gewissheit: Diesmal sind wir auf der richtigen Seite.

Genauso schlimm wäre es aber auch, wenn das Ganze zur platten Touristenattraktion werden würde, wenn die Leute zwischen Wachsfigurenkabinett und Fernsehturm mal eben schnell noch ein Selfie vor einem echten zerschossenen Russen-Panzer machen. Der wäre dann nichts anderes als eine Disneyland-Kulisse. Wir sind mitten in der Eskalationsspirale in diesem Krieg, da wäre es total fehl am Platz, wenn in Berlin Leute Party vor einem Panzer machen. Das heißt nicht, dass es so kommen muss. Aber die Gefahr besteht, wer das leugnet, macht sich etwas vor.

Wie sehr ein solches Mahnmal polarisiert, zeigt das ausgebrannte Autowrack aus Butscha. Es steht seit August am Kudamm, etwa in der Höhe vom Olivaer Platz. Vier Menschen sind darin umgekommen, als sie vor den russischen Angriffen geflohen sind. Zivilisten. Jetzt steht das rostige Wrack in der Nähe zu Nobelboutiquen. Leute gehen vorbei, die shoppen waren oder Eis essen – und dann werden sie unmittelbar mit dem Krieg konfrontiert. Bei den Menschen löst das unterschiedliche Reaktionen aus, durchaus nicht nur positive. Aber es lenkt die Aufmerksamkeit auf die Kriegsopfer und deswegen ist es ein gelungenes Experiment. Ob das auch bei dem Panzer der Fall ist und noch dazu an dieser Stelle in Mitte, bleibt abzuwarten. Schließlich gibt es nicht wenige Berlinerinnen und Berliner, die der Meinung sind, dass diese Stadt schon genug oder auch zu viele russische Panzer ausstellt.

Noch wird es dauern, bis das Panzerwrack in der Hauptstadt steht

Immerhin wird es genug Zeit geben, sich an den Gedanken zu gewöhnen. In dem Sinn könnte die deutsche Bürokratie da sogar mal ein Segen sein. Denn auch nach dem Urteil gestern wird es ja noch ein ganzes Weilchen dauern, bis der russische Panzer wirklich in Berlin ankommt. Es wäre ja auch noch schöner, wenn es mit Panzerlieferungen Richtung Berlin schneller geht als mit denen Richtung Ukraine. Aber wenn er dann da ist, dieser russische Panzer – vielleicht ist dann auch Raum für ein Gedenken an die russischen Soldaten, die darin mutmaßlich gestorben sind.