Ist es Panik, die die Entscheidungsträger beim 1. FC Union ergriffen hat? Nein, aber es ist ein Zeichen von Ungeduld, und die ist im Sport gefährlich. Die Entlassung von Trainer Jens Keller ist die vierte innerhalb von dreieinhalb Jahren und sie entspringt unternehmerischem Kalkül.

Die Angst davor, zu spät auf Entwicklungen zu reagieren, ist die treibende Kraft in der Wirtschaftswelt. Und Dirk Zingler, der Präsident von Union, ist Unternehmer durch und durch. Der Chef des Logistikdienstleisters Röfa Mobilbeton hat den einst dauerklammen Verein aus Köpenick mit viel Herzblut in einen finanziell stabilen Fußballkonzern umgebaut. Jetzt soll der Aufstieg folgen.

Mit drei Zählern Rückstand auf den Relegationsrang drei und sechs Punkten auf den Tabellenführer, ist die Basis nach 16 von 34 Spielen eigentlich gelegt. Doch ist die Sorge groß, eine einmalige Chance zu verpassen: In dieser Saison gibt es keinen übermächtigen Klub in der Zweiten Liga, in der nächsten drohen Traditionsvereine wie der 1. FC Köln und Werder Bremen.

Da nehmen sich die Köpenicker im Vergleich trotz geplanter Einnahmen von 42,2 Millionen Euro mickrig aus. Zudem hat sich der Verein mit der angekündigten Erweiterung des Stadions an der Alten Försterei selbst unter Zugzwang gesetzt. Ein Ausbau ist notwendig, eine krasse Erhöhung um 15.000 auf 37.000 Plätze aber erfordert sportlichen Erfolg, damit die Ränge nicht halbleer bleiben.

Wie ernst es Zingler ist, verdeutlichte sein überzogen strenger Appell an die Mannschaft auf der Mitgliederversammlung vor eineinhalb Wochen. Jeder müsse sich fragen, ob er alles für Union gebe. Eine Ansage, die für manchen Spieler ein Stoß vor den Kopf gewesen sein könnte, schließlich hatten sie da nach einer Serie mit 16 von möglichen 18 Punkten erstmals wieder verloren. Im Sport ist psychologisches Feingefühl wichtiger als Unternehmergeist und Vertrauen zielführender als Druck.