Die neue Schülerprognose für Berlin setzt die Landespolitiker, egal, in welcher Konstellation sie nach der Abgeordnetenhauswahl im September auch regieren mögen, gewaltig unter Druck.  Schon in acht Jahren wird die Zahl der Schüler in Berlin um ein Viertel  ansteigen. Das heißt,  es werden  noch sehr viel mehr Schulgebäude benötigt, und es müssen noch mehr – hoffentlich auch fachlich qualifizierte – Lehrkräfte eingestellt werden.

Gleichzeitig dürfen die Verantwortlichen in Senat und Bezirken nicht der Versuchung erliegen, die bestehenden Gebäude mit Schülern derart aufzufüllen, bis gar nichts mehr geht. Denn dann würden zukunftsweisende pädagogische Konzepte wie Ganztagsschulen, an denen sich Unterricht und Freizeitangebote bis in den Nachmittag hinein abwechseln, auf der Strecke bleiben. Die vielbeschworene individuelle Förderung von Schülern würde nahezu unmöglich.

Dass der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) nun ankündigt, die Schulsanierungen zur Chefsache zu machen, zeigt den Ernst der Lage. Die Situation an den Schulen ist bereits jetzt ein stadtweites Aufreger-Thema. Und es mangelt nicht an zusätzlichem Erregungspotenzial. Fehler sind genug gemacht geworden in Berlin. Wer jahrelang zu wenig Grundschullehrer ausbildet, braucht sich nicht zu wundern, wenn jetzt keine zu finden sind und Studienräte vom Gymnasien mehr oder weniger zwangsweise in die Grundschulen geschickt werden. Wer über viele Jahre doppelt so lange wie Hamburg braucht, um einen Schulneubau fertigzustellen, leidet allzu bürokratische Strukturen.

Womöglich wird es aber auch Zeit, ganz neu zu denken. Darin ist Berlin ja ganz groß. Dann ruft Bildungssenatorin Sandra Scheeres schnell noch Berlin zum ersten Bundesland aus, in dem Kinder und Jugendliche der Schulpflicht nicht mehr zwingend innerhalb von Schulgebäuden nachkommen müssen. Stattdessen wäre Homeschooling angesagt: Die Schüler erhielten vom Land kostenfrei Computer und Tablets und lernen fortan von zu Hause, moderiert vom Lehrer. Dann wäre wenigstens das Problem mit den Schulneubauten gelöst. Allerdings: Eine zentrale Schulsoftware fehlt in Berlin ja auch immer noch, obwohl dafür bereits viele Millionen Euro ausgegeben wurden.