Berlin - Erinnert sich noch jemand an Pink Floyd? Um das Jahr 1967 herum war dies eine musikalisch  vielversprechende Gruppe, die in London unter Leitung des Sängers und Gitarristen Syd Barrett im Feld zwischen Free Jazz und Progressive Rock experimentierte und mit „The Piper at the Gates of Dawn“ ein sehr gutes Album herausbrachte. Dann verfiel Barrett leider dem Wahnsinn und schied aus; woraufhin Pink Floyd von dem Bassisten Roger Waters und dem neu hinzugekommenen David Gilmour zu einer musikalisch weithin bedeutungslosen Monsterrock-Combo umgestaltet wurde.

Das ist lange her. Roger Waters hat Pink Floyd Mitte der Achtziger verlassen und beschränkt sich seither weitgehend darauf, mit seinem Rockmusical „The Wall“ durch die Weltgeschichte zu tingeln sowie wahlweise oder auch gleichzeitig durch anti-israelische Tiraden auf sich aufmerksam zu machen. In dieser Woche wurde er nun zum bislang prominentesten Unterstützer einer Kampagne gegen das britische Duo Chemical Brothers – weil dieses für kommende Woche ein Konzert in Tel Aviv angekündigt hat!

Chemical Brothers stünden auf falscher Seite

Damit stehen die Chemical Brothers nach Ansicht von Waters auf der falschen Seite der Menschheit: „Wenn internationale Künstler in Israel auftreten, trägt das zu dem Eindruck bei, dass  dies ein ganz normaler Staat sei“, heißt es in einer von ihm unterzeichneten Petition, „der Hipster-Vibe von Tel Aviv ist nur eine Seifenblase auf der Oberfläche eines Sicherheitsstaats, der die indigene Bevölkerung, die Palästinenser, vertrieben hat“.

Nun kann und muss man die israelische Politik unbedingt kritisieren – kaum sonstwo hört man übrigens so pointierte und scharfe, aber eben auch informierte Kritik daran wie in den  Hipster-Bars von Tel Aviv. Aber wer aus dieser Kritik folgert, dass nicht nur er selbst nicht mehr in Israel spielen möchte, sondern diesen Boykott auch von jedem anderen mit dem  Gestus moralischer Überlegenheit fordert, den kann und muss man nun nicht nur ein für allemal als Antisemiten bezeichnen; es muss sich in Deutschland und anderswo auch jeder Musikmanager und Konzertagent fragen lassen, ob er mit einem ihm zusammenarbeiten will.

Wann kommt der totale Roger-Waters-Boykott? Die Menschheit hat dabei nichts zu verlieren außer schlechter Musik.