Es war zu erwarten, und so kommt es auch. Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) wird wieder mal gestreikt. Man muss nicht lange im Sozialatlas blättern, um zu sagen, dass der Stillstand im Busverkehr viele ärmere Berliner treffen wird. Wohngebiete wie das Kosmosviertel in Altglienicke, Heerstraße Nord in Spandau oder das Märkische Viertel in Reinickendorf werden durch Busse erschlossen – und wenn die nicht fahren, trifft das Menschen, die kein Geld für Taxis haben oder zu krank oder alt fürs Rad fahren sind.

Aber so ist das nun einmal in unserer Rechtsordnung. Das Streikrecht erlaubt Streiks, die weh tun. Es ermöglicht auch Ausstände, mit denen Gewerkschaften ihr eigenes Dasein rechtfertigen wollen. Nach langen Jahren der Effizienzsteigerung, die Beschäftigten höhere Arbeitsbelastungen bescherten, fragen auch Verdi-Mitglieder, wofür sie ihre Beiträge zahlen.

Die Lage ist zu verfahren

Fraglich ist aber, ob der Warnstreik dazu beitragen wird, eine Lösung zu ermöglichen. Zu verfahren ist die Lage. Der Gewerkschaft geht es vor allem um bessere Arbeitsbedingungen – in Form einer kürzeren Wochenarbeitszeit. Das lehnen die Arbeitgeber ab, weil sie fürchten, dass es auf dem leer gefegten Arbeitsmarkt für die zusätzlichen Stellen kaum Bewerber geben wird. Sicherlich sind ihre Angebote für bis zu elf Prozent mehr Lohn beachtlich. Doch sie wollen auch schlechtere Arbeitsbedingungen – in Form von längeren Schichten und kürzeren Ruhezeiten.

Mit durchschnittlich 41 Fehltagen pro Jahr gehören Bus- und Straßenbahnfahrer zu den am stärksten belasteten Berufsgruppen in Berlin. So lange die BVG kein Signal sendet, Arbeitsbelastung im Fahrdienst zu senken, wird der Tarifkonflikt andauern – weitere Warnstreiks möglich.