Wenn ich mir die Hölle vorstellen soll, dann sieht sie aus wie ein Eltern-Kind-Café. Viele Leute glauben, dass die Welt Eltern-Kind-Cafés braucht. Das sind vielleicht dieselben, die auch Spezial-Zeitschriften für Ostdeutsche, Hotels für kinderlose Paare oder Stadtviertel für Veganer gut finden. Eltern-Kind-Cafés sind geschaffen worden, um den Café- und Restaurant-Besuchern laute, unruhige, kleckernde Kleinkinder vom Leib zu halten, bloß kein Chaos, bloß keine Unruhe, bloß kein Leben.

Ich weiß, wovon ich rede, ich wohne in einem Stadtviertel mit einer hohen Dichte an Eltern-Kind-Cafés. Sie haben Namen, die andere Cafébesucher schon an der Tür abschrecken sollen: „Die süßen Popos“ oder „Die kleinen Milchzähnchen“. Ein oder zweimal machte ich den Fehler, in ein Eltern-Kind-Café zu gehen. Das Kind war gut ein Jahr alt. Ich erinnere mich, dass eine schöne Frau mit sanfter Stimme sagte: „Magst du deinen Kinderwagen draußen lassen?“ Draußen regnete es, aber ich wollte der sanften Stimme nicht widersprechen.

Abchecken nach Augenringen, Frisur und Kleidung des Kindes

Als nächstes muss man die Straßenschuhe ausziehen und auf Socken herumlaufen, was außerhalb der eigenen Wohnung immer etwas Entwürdigendes hat. Früher bin ich in Cafés gegangen, um Kuchen zu essen, Freunde zu treffen, um andere Leute zu beobachten. Im Eltern-Kind-Café tat es weh, andere Leute zu beobachten. Die anwesenden Mütter redeten leise miteinander. Wenn die Tür aufging, hoben sie die Köpfe und checkten jede neue hereinkommende Mutter ab, nach Augenringen, dem Zustand der Frisur und der Kleidung des Kindes. Väter auf Strümpfen hüpften in Bällebäder und filmten ihre Kinder dabei, wie sie in Bällebädern hüpften, damit die wiederum später ihren Kindern zeigen können, dass sie einmal in Bällebäder gehüpft sind. Ich wollte heraus in den Regen und dringend etwas kaputtmachen.

Eine Frage, die mir bisher niemand beantworten konnte, ist die, warum der Kaffee in Eltern-Kind-Cafés so schlecht schmeckt. Jedes Bäckerei-Café leistet sich einen ausgebildeten Barista, nur in Eltern-Kind-Cafés stehen Leute hinter dem Tresen, die selbst wohl nur Lavendel-Rosen-Tee anrühren. Es blubberte zwar auf dem Tresen ein professionell aussehender Automat, aber ich vermutete, dass die Frau in dem geblümten Kleid hinten Nescafé mixte und dann so tat, als käme er aus der Maschine. Aber es ist auch egal, weil man dem Kaffee sowieso nur aus der Ferne beim Kaltwerden zusieht, während man damit beschäftigt ist, das Kind davon abzuhalten, anderen Kindern Schaden zuzufügen und sich in einen Rechtsstreit zu verfangen.

Das Kind schob einen gelben Plastik-Bagger hin und her, ein anderes riss ihn aus der Hand und rief „Meiner“ als eine weibliche Stimme liebevoll mahnte: „Aber Frederik-Theodor, wir wollen doch teilen lernen.“ Sie lächelte mich an, ich schaute auf den Boden, griff schnell ein, nahm dem Kind den gelben Bagger aus der Hand und wollte ihm einen roten geben, der daneben lag, als ich sah, dass das Kind inzwischen auf einem Bobbycar saß und sich von einem älteren Mädchen herumschieben ließ. Die Kinder wirkten sehr zufrieden. Sie waren auch die Einzigen, die zufrieden wirkten. Aber wahrscheinlich kommt es darauf an.