Kohlendioxid? Klima? Lärm? Mir doch egal! Wenn es ums Verreisen geht, ist für viele Menschen  die Sache klar: lieber per Flug als per Zug, auch innerdeutsch, na klar. Hauptsache billig – das ist meist der entscheidende Faktor. Während sich Zugbetreiber wie die Deutsche Bahn mit Gewerkschaften arrangieren müssen und hohe Trassengebühren zu zahlen haben, nicht zu vergessen Öko-, Mineralölsteuer und die Erneuerbare-Energien-Umlage, dürfen  Airlines mit niedrigeren Kosten  kalkulieren. Vor allem, wenn sie wie Ryanair, intern weder Betriebsrat noch Tarifverträge erlauben.

Klar ist aber auch: Die Bahn hat viele Direktverbindungen eingestellt, was Umsteigen erfordert, und der Ticketkauf zumal ins Ausland ist eine Wissenschaft geworden, von der nicht mal mehr Ticketverkäufer in Diensten der Bahn noch etwas verstehen.

Zahlreiche Flüge verzichtbar

So ist es kein Wunder, dass der Verkehr in  diesem Land über die Jahre um keinen Deut umweltfreundlicher geworden ist. Die Deutschen fliegen immer öfter auch kurze Strecken, kaufen spritschluckende SUV-Autos und lärmen mit Quads durch die Botanik, als gäbe es kein Morgen. Viele Berliner  werden am Sonntag für die Offenhaltung des Flughafens Tegel stimmen, obwohl TXL viele Menschen mit Lärm belastet. Zudem sind zahlreiche Flüge verzichtbar. Denn die Ziele  könnten ohne Zeitverlust per Bahn erreicht werden, sie liegen nur rund vier Stunden Zugreise von Berlin entfernt. Der Linken-Bundestagsfraktion gebührt das Verdienst, den Anteil dieser Flüge in Tegel erstmals beziffert zu haben: 36 Prozent.

Damit liefern sie ein weiteres gutes Argument, um den  selbst ernannten Tegel-Rettern zu begegnen. Würde auch nur ein Teil der Flüge auf die Bahn verlagert, würde die Kapazität des BER lange reichen, wäre Tegel komplett überflüssig. Doch erst wenn sich die Verkehrspolitik  ändert, erst wenn es reale Flugticketpreise gibt,  wird dies keine  akademische Rechnung mehr bleiben.