Berlin - Regt das noch irgendjemanden auf? Die Eröffnung des Flughafens BER wird wieder einmal verschoben – na und? Was vor nicht allzu langer Zeit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hätte, wird heute nur noch müde quittiert. Von dem einstigen Hoffnungsprojekt, das  als Tor in eine strahlende Zukunft angepriesen wurde, erwarten die  Berliner  nichts mehr – zumindest nichts Gutes. Weil die Verantwortlichen schon so viele Versprechen gebrochen, so viele Ankündigungen nicht eingelöst haben, kann  das jüngste Desaster nicht mehr überraschen. 2017 klappt nicht. Dann eben 2018. Oder 2020. Wen interessiert das noch?

Der Tag wird kommen, an dem schlüssig aufgezeigt wird, warum das simple Vorhaben, die deutsche Hauptstadt-Region mit einem neuen Flughafen zu versehen, so vor die Wand gefahren wurde. Um die Pleiten, das Pech und die Pannen zu erklären, stehen nicht nur Ingenieure in der Pflicht. Gebraucht werden auch  Soziologen, Psychologen sowie Politikwissenschaftler.  Denn es steht fest, dass eine fatale Unternehmens- und Politikkultur eine wesentliche Wurzel des Übels war.

Strukturell hat sich nichts geändert 

Unter dem damaligen Flughafenchef Rainer Schwarz und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit war es verpönt, Probleme anzusprechen. In dieser Kultur des Schweigens, der Durchhalteparolen und des Basta-Sagens war es möglich, dass das Projekt BER auf die schiefe Ebene geriet. Heute zeigt sich, dass es diese Schieflage noch nicht verlassen hat.

Strukturell hat sich nichts geändert seit jenem Tag im Mai 2012, als Wowereit, Schwarz und andere wenige Wochen vor der  Eröffnung eingestanden: Wir schaffen es nicht. Grundlegende Probleme, die schon vor viereinhalb  Jahren  identifiziert worden sind, bestehen 2017 immer noch. Damals wie heute  ist die staatliche Flughafengesellschaft FBB mit dem Milliardenprojekt betraut – und damals wie heute  ist sie überfordert. Sicher, Abläufe konnten verbessert werden, Personal wurde ausgetauscht. Doch die Erklärungen für die heutigen Schwierigkeiten, bei denen es wie 2012 um nicht funktionierende Türsteuerungen geht, erinnern an damals.

Noch immer gibt es ein Planungschaos

Auch heute berichten Firmen über Planungschaos bei der FBB. Immer wieder würden Vorgaben geändert, finale Planungen blieben aus: Das alles wird weiter beklagt. Umgekehrt hat die FBB das Grundproblem, dass Firmen oft zu wenig Personal  schicken, bis jetzt nicht lösen können.

Ein weiteres strukturelles Handicap besteht ebenfalls fort. Bis heute ist es nicht gelungen, die Kommunikation zwischen der FBB, der Politik und dem Aufsichtsrat besser zu organisieren. Immer wieder kommt heraus, dass die FBB wichtige Themen unter der Decke hält. Die neuen Türsteuerungsprobleme sind mindestens seit Frühjahr 2016 intern bekannt. Doch erst als der Aufsichtsrat  im Dezember tagte, wurden sie von der Geschäftsführung angesprochen – und  dann nur vage. Umfassend wurde erst vor kurzem informiert. 

Wer will denn noch den BER?  

Die Prognose für das Projekt BER bleibt schlecht. Immer wieder tauchen im Terminal, der offiziell nur zu 80 Prozent fertig ist, neue Schwierigkeiten auf.   Das jüngste Problem mit den Türsteuerungen ist allerdings  besonders gravierend, und es wird die Fertigstellung auf jeden Fall erheblich verzögern. Denn so lange nicht sicher gewährleistet ist, dass sich bestimmte Türen nur bestimmten autorisierten Personen öffnen, wird  der BER nicht ans Netz gehen dürfen. In Zeiten drohenden Terrors werden die Behörden besonders aufmerksam hinschauen, wenn es um Sicherheit geht. 

Die Schönefelder Chaostage gehen weiter 

Die Schönefelder Chaostage gehen weiter. Damals wie heute mutet das Projekt  BER wie ein Schwarzes Loch an – wie jenes astronomische Phänomen, das Materie anzieht und auf Nimmerwiedersehen verschwinden lässt. Manager, Planer, Politiker, die mit dem BER zu tun hatten, wurden abgesetzt, Versprechungen, Pläne, Zusagen zu den Akten gelegt. BER – Friedhof der Lügen und Vertuschungen. Er ist zu einem  Verliererthema geworden. Wer sich damit befasst, begibt sich in Gefahr. 

So ist es kein Wunder, dass die Grünen, die sich in der Opposition mit harter Kritik profiliert haben, als Regierungspartei keine Lust verspüren, im Flughafen-Aufsichtsrat Verantwortung zu übernehmen. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) wiederum hält es für angemessen, die erneute Terminverschiebung auf einer Parteiveranstaltung mitzuteilen. Währenddessen  fallen für den Stillstand am BER weitere Millionen Euro an, träumen viele Berliner von einer ewigen Zukunft für den Flughafen Tegel – obwohl die überlastete Budenstadt vor dem Kollaps steht. BER? Wer will denn noch den BER?