Kommentar: Wie wird die neue S-Bahn aussehen?

So liberal Berlin auch wirken mag, bei einigen Themen verstehen die Berliner keinen Spaß. Wer schon einmal in Trachtenkleidung aus den Alpen mit der BVG gefahren ist, der weiß, dass Toleranz Grenzen haben kann. Ein anderes Reizthema ist das Design der S-Bahnen. Wann immer versucht wurde, am traditionellen Farbschema zu rühren, gebärdeten sich die Berliner als eisenharte Traditionalisten. So entfesselten sie einen Shitstorm erster Güte, als in den 1980er-Jahren Wagen in Kristall- und Nachtblau präsentiert wurden. Auch die spätere Idee, S-Bahnen in den Landesfarben weiß und rot zu lackieren, stieß auf Widerstand.

Darum kann man nur gespannt sein, was sich nun die Planer der neuen S-Bahn trauen.  Zwar zeigten erste Simulationen die Züge im Januar noch in den Traditionsfarben Rubinrot und Ockergelb, was  konservative Gemüter beruhigen sollte. Doch eine Fußnote ließ ahnen, dass das letzte Wort noch aussteht. „Details für die Ausgestaltung  der Außenfarbgebung werden noch in einem mehrstufigen Designfindungsverfahren ausgearbeitet“, hieß es.

Jetzt scheint es konkrete Ideen zu geben. Von einer „frischeren, aber traditionellen Farbgebung“ ist die Rede – wobei sich nicht nur S-Bahn-Fans  fragen, wie sich beides   vereinbaren lässt. Immerhin: Das helle „Verkehrsrot“ der DB ist angeblich nicht geplant. Im September wissen wir mehr. Dann will die S-Bahn Berlin im Werk Schöneweide ein Mock-up des neuen Fahrzeugs vorstellen – ein 1:1-Modell aus Holz, das von den Filmstudios Babelsberg gebaut werden soll. So viel steht fest: Die Diskussion wird lebhaft.