Die Prophezeiung klang verlockend: „Wenn du den Fluss Halys überschreitest, wirst du ein großes Reich zerstören“, sagte das Orakel von Delphi zu dem Lyderkönig Krösus voraus. Der mächtige Mann ging natürlich davon aus, dass dies nur heißen könne, dass er im Krieg gegen die Perser siegen würde. Doch wie es Orakelsprüchen eben eigen war, ließ sich die Prophezeiung auch anders deuten. Krösus zerstörte letztlich sein eigenes Reich.

Ganz so vernichtend hat sich die Kriegsführung von US-Präsident George W. Bush nach 9/11 nicht ausgewirkt. Allerdings ließ auch er sich von prophetischen Einflüsterungen manipulieren. Seine Orakel waren zwar nicht so drogenumnebelt wie das Orakel von Delphi, aber die Prophezeiungen der neokonservativen Ideologen in seinem Umfeld führten den Präsidenten nicht minder in die Irre. Am Ende der US-Interventionen in Afghanistan und Irak stehen keineswegs funktionierende Demokratien, die als Vorbild die ganze Region von dieser besten aller denkbaren Staatsformen überzeugen.

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