Das Beste wäre gewesen, man hätte den Mantel des Schweigens über die Idee des Bundesverkehrsministers gebreitet. Und hätte sie abgetan als nette Geste eines Bayern für die benachbarten Sachsen, die das beträchtliche Defizit des Flughafens Leipzig/Halle Jahr für Jahr aus ihren öffentlichen Kassen ausgleichen müssen. Alexander Dobrindts Vorschlag lautet: Anstatt den neuen Schönefelder Flughafen BER mit einem zweiten Terminal zu versehen, sollte Leipzig/Halle zum Zweitairport werden. Wenn der BER zu klein ist, sollen die Berliner und Brandenburg doch von Sachsen aus fliegen, sollen Touristen doch erst mal ausgiebig Zug fahren. Absurd!

Es ist ja nicht so, dass die Sachsen keine Argumente hätten. Der Schkeuditzer Flughafen ist modern und gut zu erreichen, das stimmt. Aber er liegt so weit weg, dass er den BER niemals entlasten würde. Den Spott von Berlin-Gästen, für die der Flug im wenig reizvollen Leipziger Umland zu Ende wäre, würde man ja noch wegstecken können. Peinlicher wäre ein anderer Aspekt – dass es den Verantwortlichen offensichtlich nicht gelungen ist, den Flughafen der Hauptstadt so auszulegen, dass er den Verkehr bewältigt. Was der Minister da angeregt hat, wäre nicht nur eine Bankrotterklärung der Region Berlin (die könnte er verkraften), auch der Verkehrsstandort Deutschland würde kapitulieren.

Aber offenbar geht es ohnehin nicht um Sachargumente, sondern um eine Personalie, die dem Bund nicht gefällt. Das Verkehrsministerium, so ist zu hören, hat etwas gegen den Vorschlag von Berlin und Brandenburg, Michael Clausecker zum BER-Chef zu berufen. Der hatte sich als früherer Spitzenmann des Bahnherstellers Bombardier bei der Debatte um die Zugzulassung den Unmut von Dobrindts Vorgänger Ramsauer auf sich gezogen. Darum ist Anti-Haltung angesagt. Hoffentlich nicht allzu lang.