Der vom Berliner Senat eingesetzte Sonderermittler für den Fall Amri hat den Sicherheitsbehörden zahlreiche Fehler nachgewiesen. Sie kannten nicht die Identität des tunesischen Islamisten, der mit einem Lkw in den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz raste und zahlreiche Menschen tötete und verletzte.

Berliner Fahnder observierten Anis Amri zuvor vergeblich in der Hoffnung, einen Nachweis für eine geplante „Beteiligung an einem versuchten Tötungsdelikt“ zu bekommen – und übersahen seine zunehmenden Drogenaktivitäten. Die Liste der Vorwürfe ist lang.

Und man kann nicht allein der Berliner Staatsanwaltschaft und dem Berliner Landeskriminalamt Schlamperei vorwerfen. Ohnehin ist man im Nachhinein stets schlauer, und es ist leicht, mal eben vom Schreibtisch aus die operative Arbeit hoffnungslos überlasteter und zahlenmäßig zu weniger Fahnder auf der Straße zu verurteilen.

Einheitliche Standards müssen her

Es ist auch zu fragen, welche Rolle das Nicht-Agieren des Gemeinsamen Terrorabwehrzentrums aus Bund und Ländern gespielt hat, wo Amri sieben Mal Gegenstand von Erörterungen war. Oder welchen Anteil der Bundesnachrichtendienst hat, der frühzeitig Informationen über Amri vom marokkanischen Geheimdienst bezog.

Und was wusste das Bundeskriminalamt, dessen Verbindungsmann in Rabat Erkenntnisse über Amri übermittelte? Solche Fragen kann ein Sonderermittler aus Berlin nicht allein lösen, zumal sich aus seinem Bericht herauslesen lässt, dass nicht alle Behörden, die er anschrieb, freudig Informationen herausgaben.

Deshalb ist die Forderung von Berlins Innensenator nach einem Untersuchungsausschuss auf Bundesebene richtig. Vor allem müssen endlich einheitliche Standards her, nach denen man islamistische Gefährder bewertet, wie Behörden der Länder Informationen austauschen und wie sie polizeilich handeln. Denn die Friedenszeiten sind vorbei.