Berlin - Die Fähigkeit zu denken gehört zu den Wesensmerkmalen des Menschen. Allerdings auch das Irren, genau wie das gezielte Fehlverhalten. Sonst wäre die Welt ein Paradies der Glückseligkeit mit Menschen, die sich immer moralisch gut verhalten, keine Drogen nehmen, nicht saufen, nicht fremdgehen und so weiter.

Die reale Welt sieht anders aus. Das macht sie interessant, aber auch anstrengend. Beispielsweise verwandelt sich Berlin in der Silvesternacht gefühlt in ein Bürgerkriegsgebiet auf dem Höhepunkt der Entscheidungsschlacht. Der Höllenlärm ist unerträglich, ebenso der Nebel, in den die Innenstadt ab 23 Uhr getaucht ist.

Trotzdem machen massenhaft Leute mit. Das Böllern ist – genau wie das Kokeln – eine beliebte menschliche Schwäche. Vor allem von jungen Männern.

Das Problem ist nicht, dass nach altem Brauch mit dem Lärm böse Geister vertrieben werden. Das Problem ist, dass alte Bräuche heutzutage extrem kommerzialisiert werden. In meiner Jugendzeit war Böllern noch mühevolle Handarbeit, bei der wir jeden Knaller einzeln anzünden mussten. Heute gibt’s Batteriefeuerwerke, bei denen mit einem einzigen Streichholz 1000 Schuss in 65 Sekunden ausgelöst werden und sich eine ganze Straße in eine Nebelwand verwandelt. Für 1000 Schuss waren früher 40 Schulklassen nötig.

Deshalb ist es richtig, dass der Berliner Senat nun ein Verbot solcher Batteriefeuerwerke erwirken will. Dann wäre die irrationale Böllerei wieder etwas mehr Handarbeit und die Stadt vielleicht nicht mehr ein solcher Hexenkessel.

Sollte der Staat die permanente Aufrüstung nicht bald stoppen, wird der Unmut der Genervten wohl so groß, dass irgendwann jegliche Böllerei verboten wird.