Die Kameras der BVG sind in der Lage, Audiodaten, also auch Gespräche, aufzuzeichnen. Theoretisch zumindest. Denn laut BVG ist die Funktion an den Kameras ausgeschaltet. Und es gibt zunächst einmal keinen Grund, das anzuzweifeln und in Hysterie zu verfallen. Wir sind noch lange nicht auf dem Weg in einen totalitären Überwachungsstaat wie in Orwells „1984“.

Doch es folgt auch ein großes Aber. Denn die vielen Daten- und Hackerskandale der jüngsten Vergangenheit beweisen immer wieder, dass selbst kleinste Sicherheitslücken gefunden und ausgenutzt werden. Nicht immer steckt hinter den Angriffen von Kriminellen der ganz große Coup, der unsere Regierung angreifbar macht. Oft sind es vor allen die Datenskandale, die unsere eigenen Freiheits- und Persönlichkeitsrechte betreffen, die uns besonders verletzlich machen. Wenn Persönliches ungewollt plötzlich öffentlich wird. Keineswegs sollte man daher lapidar mit Sicherheitslücken umgehen, die ausgenutzt werden können. Von wem auch immer.

Videoüberwachung wird hitzig diskutiert – und das ist gut so

Videoüberwachung ist ein sensibles Thema in Berlin, das eine sorgfältige Abwägung zwischen Freiheitsrechten, Bürgerwillen und Strafverfolgung erfordert. Die Debatte wird hitzig geführt. Das ist gut so. Die Sorge, dass Kameras mehr aufnehmen könnten, als uns bewusst ist, verunsichert. Zudem könnten aus einer optionalen Bespitzelung in Politik und der Strafverfolgung Begehrlichkeiten geweckt werden. Warum an einigen Brennpunktorten den Ton an den Kameras nicht doch einmal anschalten? Als Pilotprojekt am Südkreuz vielleicht? Es wird schwer sein, den Geist wieder in seine Flasche zurückzustopfen.