Berlin - Man könnte glauben, von Volkshelden ist die Rede. Von genialen Köpfen, von Meister-Einbrechern. Die Tunnel-Gangster, die vor gut einer Woche die Schließfächer einer Volksbank in Steglitz ausgeräumt haben, beflügeln die Fantasie. Vielen Leuten kamen Gauner-Filme in den Sinn, mit Hardy Krüger, Otto Sander oder George Clooney – mit Typen also, die uns sympathisch sind und es den fiesen Geldsäcken mal so richtig zeigen.

Manch ein Polizist ist beeindruckt davon, wie professionell die Täter den Tunnel bauten, dass sie sich nicht verpeilten und an der richtigen Stelle herauskamen. Psychologen äußerten sich zur Faszination, die ein clever vorbereiteter Coup verbreitet. Und sie bestätigten, dass ein schlauer Krimineller höher geschätzt wird als ein doofer Straßenräuber. Wir bekamen Post von Lesern, die den Räubern gratulieren für die tolle Bauleistung, die nicht üblich für Berlin sei. Ein Leser erinnerte an Brecht, der schrieb, dass die Gründung einer Bank krimineller sei als der Überfall auf sie. Und er wünschte den Tätern viel Freude mit dem ehrlich verdienten Geld. „Es ist ja niemand zu Schaden gekommen.“

Am Montag haben die ersten Bankkunden erfahren, was ihnen genommen wurde. Die wenigsten hatten illegale Reichtümer. Viele verwahrten Dinge mit niedrigem materiellen aber hohem ideellen Wert: die Taufmünze, den Orden, die Uhr vom Opa, das Grundbuch. Die alten Briefe des gestorbenen Gatten. Ein Teil der Dokumente verbrannte, weil die Täter in ihrer ach so bewunderten Rafinesse Feuer legten, um Spuren zu vernichten.

Sie haben eine Bank ausgeraubt. Sie haben deren Kunden beklaut. An den Tätern ist nichts Gutes. Es sind Verbrecher, die lediglich aus dem Untergrund kamen und dorthin verschwanden. Hoffentlich werden sie bald geschnappt.