Berlin - Gerade wichtige Weichenstellungen in der Bildungspolitik entfalten erst nach einigen Jahren eine messbare Wirkung. Ablesbar ist das etwa an den jährlichen Einschulungsuntersuchungen. Die aktuelle Erhebung zeigt, dass immerhin 72 Prozent der vier- bis fünfjährigen Kinder nichtdeutscher Herkunft inzwischen gute bis sehr gute Deutschkenntnisse aufweisen. Das ist allein gegenüber dem Jahr 2010 eine Steigerung um vier Prozent. Im Vergleich mit dem Jahr 2005 wird die positive Entwicklung besonders deutlich: Damals erzielte nur die Hälfte der getesteten Migrantenkinder gute bis sehr gute Ergebnisse.

Tatsächlich hat die Politik seither einiges getan, um die Sprachförderung in Kitas zu verbessern. Das Sprachlerntagebuch wurde stetiger Begleiter der Kinder. Eltern geben wegen der Gebührenfreiheit ihre Kinder öfter in die Kita. Die Erzieherausbildung wurde verbessert. Migrantenkinder, die mindestens zwei Jahre lang eine Kita besuchten, haben mehr als doppelt so häufig gute bis sehr gute Deutschkenntnisse als Kinder ohne Kita-Besuch.

Dennoch besuchten in Berlin über 2000 Kinder eine Kita zwei Jahre und länger, die dann trotzdem bei der jüngsten Sprachstandserhebung durchgefallen sind. Das darf nicht sein. Es mag daran liegen, dass nichtdeutschsprechende Kinder in einigen Kitas unter sich sind, also Sprachvorbilder fehlen. Mitunter nehmen Eltern auch Hilfen wie die Sprachförderung nicht an, versäumen gar die Sprachtests für ihr Kind. Es gibt gute Gründe, dies künftig als Ordnungswidrigkeit zu werten. Und es bleibt die Frage, ob man statt in die Kita-Gebührenfreiheit nicht eher in das qualitative Angebot vor Ort hätten investieren sollen.