Kommentar zu den neuen U-Bahnen für die BVG und den Nikutta-Geschwistern

Berlin - Der Vorgang erinnert an die britische Comedy-Serie „Fawlty Towers“. In der schon etwas älteren BBC-Produktion spielt John Cleese einen britischen Hotelier, in dessen Haus eine Gruppe deutscher Touristen übernachtet. Er schärft seinem Personal ein: „Don’t mention the war“ – bloß nicht den Krieg erwähnen! Falls sich Jörg und Sigrid Nikutta Weihnachten oder Neujahr getroffen haben, könnte es vielleicht ähnlich zugegangen sein. Möglicherweise gab es bei den beiden Geschwistern eine ähnliche Tabu-Ansage: Bloß nicht das Vergabeverfahren erwähnen! Kein Wort über die Ausschreibung der neuen U-Bahnen für Berlin!

Das hört sich skurril an, doch es geht um ein ernstes Thema. Dieses Vergabeverfahren betrifft den überwiegenden Teil der Berliner. Sie sind dringend auf neue U-Bahnen angewiesen. Dem Fahrgastandrang muss besser begegnet, das Angebot muss ausgebaut werden. Damit die Wagenbeschaffung rechtssicher und unangefochten über die Bühne geht, darf nicht der Eindruck entstehen, dass das Verwandtschaftsverhältnis zwischen den Geschwistern dabei eine Rolle spielt. Es dürfte nicht mal Gesprächsthema sein.
Jörg Nikutta ist Deutschland-Chef des Fahrzeugherstellers Alstom, der sich dem Vernehmen nach neben anderen Firmen um den Milliardenauftrag beworben hat. Sigrid Nikutta ist Vorstandsvorsitzende der BVG, die den Auftrag voraussichtlich noch in diesem Frühjahr erteilen möchte.

Gibt es hier ein Geschmäckle? Bisher sind keine konkreten Anhaltspunkte zu erkennen. Doch Experten mahnen zu besonderer Vorsicht – und zu bestimmten Vorkehrungen, damit es nicht zu Streit und zu Verzögerungen kommt. Die BVG sollte deren Ratschläge beherzigen.