Irgendwann wird die CDU Mike Mohring dankbar sein. Am Montag machte der Spitzenkandidat der CDU das einzig Vernünftige, was man als demokratischer Politiker machen kann. Er sagte im Morgenmagazin, er werde das Gesprächsangebot des Wahlsiegers Bodo Ramelow annehmen. Ramelow hatte seine Linke zum besten Ergebnis ihrer Geschichte geführt und mit 31 Prozent die Wahl gewonnen.

Der CDU-Mann Mohring war vielleicht spät dran, aber er zeigte trotzdem ein neues ostdeutsches Selbstbewusstsein, von dem gerade viel die Rede ist. Dazu gehört, sich gegen die eigene Parteiführung zu stellen und sich eben nicht einzureihen in das peinliche Linken-Bashing, in das Bundes-CDU nach der Wahl fast ritualhaft verfiel. Wenn man am Montag die Kommentare las, konnte man das Gefühl bekommen, es gebe eine neue Unrechtsstaat-Debatte und die Linke sei das größte Problem im Land – und nicht der erstarkende Rechtsextremismus.

Linke als Partei der Mitte in Thüringen

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak warf Linke und die AfD in einen Topf und schloss Koalitionen mit „Extremisten“ aus. Echt jetzt? Wenn man sich ein bisschen mit der Politik in Thüringen befasst hat, dann weiß man, dass Bodo Ramelow, ein Gewerkschafter, Westdeutscher, evangelisch, Landesvater die Linke als eine Art SPD umgebaut hat, die pragmatisch regiert. Jeder Zweite Wahlberechtigte in Thüringen nimmt die Linke als Partei der Mitte wahr. 68 Prozent der Wahlberechtigten sind mit der Arbeit zufrieden, auch 60 Prozent der Anhänger der CDU. Wer soll das ernst nehmen, wenn die Berliner CDU Bodo Ramelow als Kommunisten-Schreck porträtieren will?

Wer so tut, als sei die Linke von heute identisch mit der SED der DDR, den muss man daran erinnern, dass sich die Linke wie kaum eine andere Partei mit ihrer eigene Geschichte befasst hat. Mehr als die CDU jedenfalls: Die übernahm damals anstandslos alle Mitglieder der Ost-CDU, der Blockflötenpartei, die die Entscheidungen der SED legitimierte.

Linke im Osten: pragmatisch, wertkonservativ und sozialdemokratisch

CDU-Politiker Friedrich Merz beklagt, dass erstmals in der deutschen Nachkriegsgeschichte CDU, SPD, FDP und Grüne zusammen in einem Parlament keine Mehrheit mehr haben und Wähler an die Ränder ausweichen. Huch, ist ja da drüben alles ganz anders als bei uns, so klingt das. Vielleicht muss man Friedrich Merz erklären, dass die Linke im Westen vielleicht noch etwas radikaler sein mag, im Osten aber kein Rand ist, sondern pragmatisch, wertkonservativ und sozialdemokratisch agiert. Es gibt im Osten ein anderes Parteiengefüge und weniger enge Parteibindungen. Es kann sein, dass ein Wähler mal AfD und dann wieder Grüne wählt. Das macht es unberechenbarer, aber auch flexibler. Man kann Wähler mit einem guten Angebot zurückholen. Gemeinsam hätten Linke und CDU eine echte Chance gegen die AfD.

CDU Thüringen: Über Koalitionen auf Landesebene muss man reden können

Mit dem Aufkommen der AfD haben viele ostdeutsche CDU-Politiker festgestellt, dass sie nicht mehr in den alten Rote-Socken-Schablonen denken können. Die SPD wird schwächer, die Grünen sind nicht stark genug: Wer bleibt unter den demokratischen Parteien als Koalitionspartner? Man muss die Linke nicht mögen, man kann ihre Außenpolitik fragwürdig finden, aber über Koalitionen auf Landesebene muss man reden können. Das ist für die CDU eine strategische Notwendigkeit. Das hat als Erster Ingo Senftleben aus Brandenburg erkannt, der die Idee ins Gespräch brachte. Mike Mohring geht nun einen Schritt weiter.