Im Görlitzer Park hat der Parkmanager Flächen markiert, auf denen sich die Dealer postieren sollen. Das ist kein Witz. Man kann es sich auf einem Video des rbb ansehen. An einem der Eingänge des Kreuzberger Parks zeigt er die mit rosa Farbe auf dem Asphalt markierten Felder. Sie sind etwa zwei Meter lang und einen halben Meter breit.

Im Film sieht man, wie sich der Parkmanager probeweise selbst daraufstellt und zeigt, wie sich die Dealer postieren sollen, immer zwei pro Fläche. Sie sehen ein bisschen so aus wie die beiden Coachingzonen am Rande eines Fußballplatzes. Die sind als Aufenthaltsbereich für die Trainer vorgesehen und sollen sicherstellen, dass sie nicht zu sehr ins Spielgeschehen eingreifen.

Coachingzonen für Dealer. Das ist die Berliner Antwort auf Drogenkriminalität. Hilflosigkeit, deutlich markiert mit rosa Farbe auf Asphalt. Nur zwei Dealer pro Fläche, bitte.

Dealer, Sportler, Mensch und Tier: Ein friedliches Nebeneinander im Görlitzer Park?

Der Parkmanager heißt Cengiz Demirci. Er ist ein vernünftiger und sehr engagierter Mann, der seit Ende 2016 versucht, aus dem Görli einen halbwegs normalen Park zu machen. Dass er nun zum Platzanweiser für Drogenhändler wird, hat etwas mit den Rahmenbedingungen seiner Arbeit zu tun, die die rbb-Reporterin in ihrem Bericht so zusammenfasst: „Dass der Görli ein Drogenproblem hat, müssen Parkläufer und Parkmanager hinnehmen. Ihr Ziel ist es, allen ein friedliches Nebeneinander zu ermöglichen; Dealern, Sportlern, Mensch und Tier.“ Nein, das ist keine Satire, es ist eine zutreffende Beschreibung der gegenwärtigen Situation.

Zur Erinnerung: Der Handel mit Drogen ist – auch in Berlin – verboten. Wer gewerbsmäßig damit handelt, muss – eigentlich auch in Berlin – mit einer Freiheitsstrafe rechnen. Das „friedliche Nebeneinander von Dealern, Sportlern, Mensch und Tier zu ermöglichen“, bedeutet nichts anderes, als Kriminelle als ganz normale Parkbesucher einzustufen und sie mit ihrer Straftat davonkommen zu lassen. Jeden Tag wieder.

Markierte Flächen für Drogendealer: Keine Legalisierung des Drogenhandels

Diese Gefahr hat auch der Parkmanager erkannt. Er sagt dazu, dass seine Maßnahme keine Legalisierung des Drogenhandels sei. Aber man wolle sicherstellen, dass die Leute, die in den Park kommen, nicht gestört werden. In der Vergangenheit war es nicht selten so, dass man mit Kind und Kegel an einem Spalier von Dealern vorbeimarschieren musste, die heftigst für ihre Waren, nun ja, geworben haben.

Das sei durch die markierten Flächen nun besser geworden, heißt es. Man habe zudem ein Abkommen, dass die Drogenhändler keine Kinder ansprechen. Wenn das stimmt, hat Cengiz Demirci mit seinem Deal mit den Dealern in den zweieinhalb Jahren seiner Tätigkeit als Parkmanager mehr erreicht, als alle anderen vor ihm. Aber das kann es doch jetzt nicht gewesen sein, oder?

Im politischen Berlin hat man sich angewöhnt, auf derartige Fragen mit einer gewissen Chuzpe zu reagieren. So teilte der zuständige Bezirksstadtrat mit, dass man das Problem lediglich verdränge. Vertreibe man die Dealer aus dem Görlitzer Park, dann tauchten sie eben woanders wieder auf.

Gerne wird dann auch auf die Null-Toleranz-Politik des früheren CDU-Innensenators Frank Henkel verwiesen, die ja auch keinen Erfolg gehabt habe. Was im übrigen auch stimmt. Mehr als ein bisschen Katz-und-Maus-Spiel zwischen Drogenhändlern und Polizei kam dabei nämlich nicht heraus. Dass die Drogen-Kundschaft besonders zielstrebig verfolgt worden wäre, hat man jedenfalls nicht gehört. Ohne die käme dieses illegale Geschäft aber erst gar nicht zustande.

Der Görlitzer Park ist der Rowdy unter den Berliner Parks - Reicht uns das?

Toleranz oder Null-Toleranz sind beide zum Scheitern verurteilt, wenn sie nicht konsequent angewendet werden. Das ist ja das Schlimme an der Berliner Politik. Erst wird in die eine Richtung gezogen, dann in die andere, danach bleibt man häufig im Mittelmaß stecken. Bestenfalls.

Im sogenannten „Handlungskonzept Görlitzer Park“ heißt es: „Der Görli ist in seiner Art einmalig und wird, ob wir wollen oder nicht, der Rowdy unter den Berliner Parks bleiben.“ Die Frage ist: Reicht uns das in Berlin?