Die Bilder sind unvergessen: Tausende Erdogan-Anhänger umjubelten im Jahr 2014 den türkischen Staatschef bei seinem Wahlkampf-Termin in der Kölner Lanxess-Arena. Viele deutsche Politiker hatten damals eine Absage des heftig umstrittenen Erdogan-Auftritts gefordert.

Nun will Erdogan nach Berlin kommen und offenbar erneut zu seinen Landsleuten sprechen. Es wäre Erdogans erster Staatsbesuch seit der Übernahme des Präsidentenamts vor vier Jahren. Der erste Reflex: Bitte nicht! Denn wie geht man mit so einem Besuch um?

Merkel muss Erdogans Besuch nutzen

Gerade jetzt, wo die Özil-Debatte das Verhältnis zwischen Deutschland und Türkei erneut verschärft hat. Rollt man dem Autokraten Erdogan nun den roten Teppich aus? Ignoriert man den Besuch und verweigert das Gespräch? Beides wäre falsch.

Merkel muss, so schwierig es auch sein mag, den Besuch für eine konstruktive Unterredung nutzen und schwierige Themen deutlich ansprechen. Auf einen offiziellen Staatsempfang mit Bankett sollte man aber verzichten. Die kurze Besuchszeit muss nützlicher verbracht werden.

Themen für die Gesprächsagenda

Eine Bühne für Propagandazwecke wie damals in Köln sollte Erdogan verwehrt bleiben, das Angebot zum gemeinsamen Gespräch muss es geben. Gerade jetzt, wo die Debatte um Integration und Rassismus in Deutschland einen neuen Höhepunkt erreicht hat.

Merkel muss Erdogan spüren lassen, dass sie eine Spaltung der Bürger mit Migrationshintergrund in Deutschland durch Erdogan nicht länger in Kauf nehmen wird. Und noch etwas muss auf die Gesprächsagenda: die Zukunft der deutschen Staatsbürger, die in der Türkei hinter Gittern sitzen.