Was kann einer Agit-Prop-Gruppe besseres passieren, als vom Grünflächenamt verboten zu werden? Was kann es Sinnfälligeres geben, als wenn sich die Bürokratie mit all ihrer Macht und all ihrer Pracht einer politischen Aktion entgegenwirft? Wäre die Aufmerksamkeit auf "Flüchtlinge fressen" nicht schon groß, jetzt wird sie noch größer. Mit einer typisch deutschen Begründung sollen die Tiger weg: Angemeldet sei, so das Grünflächenamt, eine Informationsveranstaltung, hier aber finde politische Agitation statt. Stimmt! Und unverhofft sind wir im Fach Satire angelangt.

Aber werfen wir jetzt mal den Amtsschimmel den Tigern zum Fraß vor (dieser Kalauer muss erlaubt sein!) und schauen uns die Aktion genauer an.

Mich befremdet sie sehr. Was soll das? Mit dem Leben von Flüchtlingen zu spielen ist menschenverachtend und zynisch. Ich denke: Hört auf damit!

Genau das will die Gruppe. Starke Reaktionen, starke Emotionen. Diese Aktion ist keine Kunst, sie will nicht gefallen und ist nicht gefällig. Es ist bester Agit-Prop des 21. Jahrhunderts. Grausame Phantasie gegen grausame Realität.

Die Aktion ist zynisch, die Realität ist zynisch

Es liegt jetzt an uns: Verharren wir in der Abwehr oder lassen wir uns ein auf den Gedankenweg, auf den diese künstlerischen Aktivisten uns führen wollen. Sagen wir: Die Aktion ist zynisch! Oder sagen wir: Die Realität unserer Gesetze, die es keinem Flüchtlinge ermöglicht, ohne Aufenthaltsvisum in ein Flugzeug zu steigen, sondern sich auf den todbringenden Weg über das Mittelmeer zu begeben, diese Realität ist zynisch.

Jeder hat die Wahl, jeder kann sich für oder gegen dieses Experiment entscheiden, jeder kann hinschauen oder wegschauen.

Im Übrigen auch das Grünflächenamt von Berlin-Mitte.