Das anonyme „Bekennerschreiben“ zum Drohanschlag auf Monika Herrmann, die grüne Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, ist in der Tat ein Bekenntnis. Bekannt wird, im doppelten Sinn, wie sagenhaft dümmlich, verblüffend selbstgerecht und offen chauvinistisch diejenigen sind, die vorgeben, für eine bessere Welt zu kämpfen. Monika Herrmann, so steht es in dem wirr antikapitalistischen Schrieb, erkenne nicht, dass „alles, aber auch wirklich alles an unserem System falsch ist“. Und daher, schließen die Klardenker vom Dienst, müsse sie „besucht“ werden. Denn sie sei mit den Flüchtlingen vom Oranienplatz „unsolidarisch“ gewesen.

Eine wichtige Zwischenbemerkung: Flüchtlinge, die nach Europa wollen, werden von einem mörderischen Abschottungsregime – organisiert von der EU, also von uns – daran gehindert. Das ist nicht hinnehmbar, mehr noch, das ist eine Schande. Nur: Das hat nichts mit Frau Herrmann zu tun. Wer so hirnverbrannt ist, mit Kartons und Fotos in ihrem Treppenhaus auf den Tod und das Leid Zigtausender aufmerksam machen zu wollen, der hat selbst ein gar schlimmes Leiden – und zwar im Kopf und im Herzen.

Man darf sicher sein, dass der Brief, eine reine Machtgeste, von Testosteron-Machos stammt, die nicht zufällig die sicherste Variante wählen, einer Frau ohne Wachschutz Angst zu machen. Auf Inhalte, wen wundert’s, wird komplett verzichtet zugunsten einer Gesinnungsselbstjustiz, die jeden Nazi-Trupp beschämte. Nicht zuletzt: Wenn sich jemand bis an den Rand der Erschöpfung und jeder politischen Geduld für die Sache aller (!) Flüchtlinge im Bezirk eingesetzt hat, dann Monika Herrmann. Sie ist die Einzige, die dabei Fehler einräumt. Diese Größe hatte kein Politiker einer anderen Partei. Mehr davon wäre gut. Nicht weniger.