Frank Steffel ist sich offenbar keiner Schuld bewusst. Sein Doktorvater habe bestätigt, dass er seinen Anforderungen entsprochen habe, sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete aus Reinickendorf zu den Plagiatsvorwürfen gegen ihn. Er stelle sich auf eine lange gerichtliche Auseinandersetzung ein – wenn denn die Entscheidung der Freien Universität vorliegt, ihm den Doktortitel abzuerkennen.

Dass das FU-Präsidium diesen Beschluss fassen wird, ist wahrscheinlicher geworden. Der zuständige Promotionsausschuss hat sich – nachdem die Vorwürfe öffentlich geworden sind – für die Aberkennung ausgesprochen.

Lange Texpassagen übernommen

Wer Steffels Dissertation mit den Originalquellen verglichen hat, kann den vier Wirtschaftsprofessoren nur zustimmen: Steffel sind nach gängigen wissenschaftlichen Maßstäben nicht lässliche Fehler bei der Zeichensetzung unterlaufen. Er hat systematisch lange Textpassagen aus mindestens fünf Quellen übernommen und die Urheberschaft nicht deutlich gemacht.

Es ist Steffels gutes Recht, sich dennoch gegen eine mögliche Aberkennung zu wehren. Womöglich hat er ja seinerzeit in gutem Glauben gehandelt. Vielleicht legte sein Doktorvater Dietrich Winterhager tatsächlich nicht die gleichen Maßstäbe an, die anderswo schon Erstsemestern eingebläut werden: Jedes noch so kurze wörtliche Zitat ist zu kennzeichnen, verschämte Fußnoten reichen nicht.

Die FU hätte dann aber ein Problem, das über den Fall Steffel hinausreicht. Schließlich hatte Winterhager etliche andere Doktoranden. Wenn die Hochschule von ihren heutigen Wissenschaftler höchste Integrität verlangen will, muss sie sich den unbequemen Fragen aus der Vergangenheit stellen.