Nicht dass er nicht schon genug andere Probleme hätte. Aber die Frage, wie er künftig mit Holocaust-Leugnern umgehen will, beschert Mark Zuckerberg derzeit ein besonderes Dilemma: Einerseits redet sich der Facebook-Chef gerade um Kopf und Kragen, indem er das Leugnen und Lügen zur bloßen Meinungsäußerung erklärt; andererseits bleibt ihm gar nichts anderes übrig, wenn er an seinem Geschäftsmodell festhalten will.

Wie soll er aus der Nummer wieder herauskommen?

Mark Zuckerberg bleibt für gewöhnlich cool. Selbst als Facebook im April den hundertmillionenfachen Missbrauch seiner Nutzerdaten zur Manipulation der Wahlen in England und den USA zugeben musste und damit den Vorwurf bestätigte, die ungebrochene Macht des sozialen Netzwerkes zerstöre die Demokratie – selbst da ließ sich der 34-Jährige nicht aus der Ruhe bringen. Brav machte er den Parlamenten in Washington und Brüssel seine Aufwartung; momentan schaltet er beschwichtigende Großanzeigen in den Zeitungen.

Das Problem aber liegt tiefer. Facebook ist längst zu einem Bootcamp der Hassprediger verkommen. Auch Holocaust-Leugner und Antisemiten gehören dazu – mit einem Milliarden-Publikum. Und eben das scheint Zuckerberg umzutreiben, so sehr, dass er, der von sich wenig preiszugeben pflegt, sich jetzt selbst ins Spiel bringt: „Ich bin jüdisch, und es gibt eine Gruppe von Menschen, die bestreiten, dass der Holocaust stattgefunden hat“, erklärte er in einem Interview mit der Webseite Recode.

Aber: „Ich glaube nicht, dass unsere Plattform das löschen sollte … Ich glaube nicht, dass sie (Holocaustleugner, Anm. d. Red.) absichtlich falsche Aussagen machen.“ Was für ein Irrsinnssatz! Zuckerberg wankt einen Abgrund entlang. Er kann nicht anders, weil sein Unternehmen nur Geld verdient, wenn es möglichst viele Daten von möglichst vielen Nutzern sammelt; und weil das Ressentiment ein probater Nutzer- und Datenmagnet ist. Anders gesagt: Das Geschäftsmodell von Facebook ist falsch – ein politisch-moralisches Verhängnis. Ob Zuckerberg eine Ahnung davon beschlichen hat?